Simone Fischer Rechtsanwältin
Simone FischerRechtsanwältin

THC-Abbau: Nachweisdauer von THC  und THC-COOH im Blut (Urin) im Zusammenhang mit der Fahrerlaubnisentziehung

Der hauptsächlich rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze (Cannabis) ist Tetrahydrocannabinol (THC). THC kann im Körper äußerst lange nachgewiesen werden, die THC-Werte können demnach auch nach einer langen Zeit noch positiv sein.

Wenn Sie also Cannabis konsumiert haben, werden Sie sich sicherlich häufiger mal fragen, nach welchem Zeitraum Sie schon wieder gefahrlos Autofahren können oder ob im Fall einer Polizeikontrolle inklusive Blut-oder Urinuntersuchung der Führerschein entzogen wird. Dies hängt natürlich von den bei Ihnen festgestellten THC-Werten ab (mehr zur Bedeutung der THC-Werte für die Fahrerlaubnisentziehung finden Sie hier: THC-Wert und Fahrerlaubnisentziehung und hier: Fahrerlaubnisentziehung und Cannabis).

 

Entscheidend im Rahmen einer Fahrerlaubnisentziehung ist zum einen Ihr festgestellter aktiver THC-Wert (also eben das noch (psycho-)aktive THC im Körper), zum anderen der THC-COOH-Wert. THC-COOH ist ein Metabolit, also ein Abbauprodukt von THC.

 

1. Der aktive THC-Wert

 

THC lässt sich aufgrund der Abbaugeschwindigkeit im Blut nur eine begrenzte Zeit nachweisen (dazu gleich). Dem aktiven THC-Wert kann man daher entnehmen, wie lange der letzte Konsum zurückliegt.

Bei der Feststellung einer THC-Konzentration von mind. 1,0 ng/ml in Ihrem Blutserum beim Führen eines Kraftfahrzeuges haben Sie (leider) schon eine Voraussetzung für die Entziehung der Fahrerlaubnis erfüllt: das fehlende Trennungsvermögen zwischen Cannbiskonsum und Fahren. Eine THC-Konzentration von 1,0 ng/ml ist der derzeitigen Rechtsprechung zuviel und sie hält dann eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer für gegeben (an dem Wert von 1,0 ng/ml hält die Rechtsprechung im Moment noch uneingeschränkt fest, obwohl die Grenzwertkommission sich mittlerweile für einen Grenzwert von 3,0 ng/ml ausgesprochen hat, um fehlendes Trennungsvermögen annehmen zu können - mehr dazu hier: Aktuelles zum Fahrerlaubnisrecht).

 

Das heißt für Sie natürlich, Ihr Auto nur zu benutzen, wenn Ihre THC-Konzentration unter dem Grenzwert von 1,0 ng/ml liegt. Soweit noch ganz einfach. Bloß gibt es keine sichere Methode zur Berechnung Ihrer THC-Konzentration im Blut und die meisten Studien hierzu stimmen nicht überein und widersprechen sich sogar.

Ihe THC-Konzentration nach Cannabiskonsum hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem Ihr eigenes Konsummuster ist von Bedeutung:

 

- bei regelmäßigem Konsum von Cannabis kann auch nach 72 Stunden (!) nach Konsumende noch eine über den Grenzwert von 1,0 ng/ml liegende THC-Konzentration festgestellt werde.

- aber auch bei minder starkem Konsum ist eine Nachweisbarkeit noch nach 24 Stunden, teilweise auch noch nach 48 Stunden möglich.

- bei lediglich (ganz) gelegentlichem Konsum oder Einmalkonsum von Cannabis sinkt die THC-Konzentration auch nach der Zufuhr hoher Dosierungen innerhalb von sechs Stunden nach Rauchende im Mittel auf einen Wert von etwa 1,0 ng/ml ab.

 

Entnehmen kann man dem Ganzen also nur, das mit steigendem Konsum auch eine deutlich längere Nachweisbarkeit von THC besteht. Äußerst frustierend, werden Sie jetzt denken. Aber es gibt definitiv keine Anleitung, keine zu empfehlende Zeitabstände und keine sicheren Tipps, um dem Risiko einer Fahrerlaubnisentziehung bei Cannabiskonsum zu entgehen.

Für regelmäßige Konsumenten und nahezu täglich Cannabis Konsumierende heißt dies aber auch, dass dies mit Autofahren nicht zusammen passt. Bei einer Kontrolle dürfte Ihre THC-Konzentration im Blut den Grenzwert regelmäßig übersteigen.

Bei minder starkem Konsum sollten Sie Ihr Auto mindestens 24 Stunden stehen lassen (ohne Gewähr), je nach Konsumhäufigkeit und -menge lieber auch mal 48 Stunden.

 

Sollte Ihr aktiver THC-Wert bei einer Kontrolle und angeordneter Blutentnahme über dem Grenzwert von 1,0 ng/ml liegen, müssen Sie aber noch nicht in kopflpose Panik verfallen. Wie Sie dann noch die Fahrerlaubnisentziehung vermeiden können, erfahren Sie hier: Vermeidung der Fahrerlaubnisentziehung.

 

2. Der THC-COOH-Wert

 

THC-COOH ist ein rauschunwirksames Abbauprodukt von THC. Es ist lipophil und lagert sich daher im Körperfett ab. Der Stoffwechsel sorgt nun dafür, dass diese Stoffe abgebaut werden und die Abbauprodukte werden über den Urin ausgeschieden. THC-COOH hat die für den Autofahrer unangenehme Eigenschaft, dass es sich sehr langsam und zudem noch unberechenbar abbaut. Dies liegt auch daran, dass Gewichtsreduzierungen, also eine Diät, oder auch Stress den Nachweis von Cannabiskonsum beeinflussen können.

 

Die THC-COOH-Werte geben Aufschluss darüber, wie häufig Cannabis konsumiert wurde. Es kann anhand der Werte das Konsumverhalten festgestellt werden, also ob Sie regelmäßig oder (nur) gelegentlich konsumieren. Das hat damit zu tun, dass THC-COOH leichter vom Fett aufgenommen wird als es im Fett abgebaut wird. Folge ist, dass bei kontinuierlicher Cannabiseinnahme sich das THC-COOH im Fettgewebe ansammelt. Um ein (vereinfachtes) Beispiel zu nennen:

Sie haben ein mit Wasser halb gefüllten Eimer, der ein Loch im Boden hat. Aus dem Loch läuft das Wasser aus dem Eimer heraus bis er nach 3 Tagen leer ist. Gießen Sie aber stattdessen nun täglich noch Wasser in den halb vollen Eimer hinein, wird der Flüssigkeitspegel kontinuierlich ansteigen.

Übersetzung: Sie konsumieren Cannabis, das unter anderem in THC-Carbonsäure (THC-COOH) umgewandelt wird und sich im Fettgewebe ablagert. Kommt es zu keinem weiteren Konsum, wird das THC-COOH über den Urin ausgeschieden. Wird aber an jedem folgenden Tag wieder konsumiert, steigt der Carbonsäure-Pegel (der THC-COOH-Wert) weiter an, um dann irgendwann Werte zu erreichen, die darauf schließen lassen, dass regelmäßiger Konsum vorliegt.

 

Bei festgestelltem regelmäßigen Cannabiskonsum kann man sich aber leider von seinem Führerschein verabschieden: die Fahrerlaubnis wird zwingend entzogen. Welche Werte aber von regelmäßigen Konsum zeugen, darüber sind sich die Gerichte mal wieder nicht einig, was die Möglichkeit bietet, gegen eine (angedrohte) Fahrerlaubnisentziehung vorzugehen.

Als Richtschnur für regelmäßigen bzw. gelegentlichen Konsum  kann man aber folgende Werte nehmen:

Hat sich bei einer Untersuchung in einem Zeitraum von bis zu acht Tagen ein THC-COOH-Wert von 75 ng/ml ergeben, so lässt dies auf regelmäßigen Konsum schließen (wie bereits gesagt manche Gerichte gehen auch bei einem niedrigeren Wert bereits von einem regelmäßgen Konsum aus - offensichtlich jeder Richter wie er will und wie er Studien gerade auslegt oder auslegen will...)

Wird allerdings z.B. bei einer Polizeikontrolle zeitnah zur Verkehrsteilnahme eine Blutuntersuchung durchgeführt, kann aufgrund der fehlenden Abbaumöglichkeit zwischen Ankündigung und Blutentnahme nach herrschender Rechtsprechung der Nachweis für regelmäßige Einnahme von Cannabis erst ab einen THC-COOH-Wert von mehr als 150 ng/ml als geführt angesehen werden. 

Bei einem THC-COOH-Wert zwischen 5 - 75 ng/ml gehen die Gerichte je nach Bundesland von zumindest gelegentlichem Cannabiskonsum aus. Der gelegentliche Konsum von Cannabis reicht für die Entziehung der Fahrerlaubnis nicht aus. Hinzutreten muss fehlendes Trennungsvermögen zwischen Fahren und Konsum.

 

Auch bei Urinuntersuchungen bestehen keine festen Fristen oder starre Grenzen, wie lange welcher Konsum nachgewiesen werden kann. In Studien konnte festgestellt werden, dass gewohnheitsmäßige Cannabiskonsumenten noch nach 77 Tagen positive Ergebnisse für Cannabinoide im Urin brachten. Und mal ehrlich: ich habe in meiner anwaltlichen Praxis auch schon ein Nachweis von THC im Urin nach über drei Monaten erlebt (soweit die mir gegenüber gemachten Aussagen der Konsumenten über den letzten Konsum zutrafen, wovon ich überzeugt bin).

 

Nochmal zusammengefasst gilt:

 

Derv aktive THC-Wert gibt an, wann zuletzt Cannabis konsumiert wurde.

Der THC-COOH-Wert gibt an, wie häufig Cannabis konsumiert wurde.

Aus diesen Werten ergeben sich fahrerlaubnisrechtlich folgende Konsequenzen:

 

- einmaliger Probierkonsum führt nicht zur Fahrerlaubnisentziehung (darum freut sich Ihr Anwalt, wenn Sie noch keine Angaben über Ihren Konsum gemacht haben!!!).

- wenn Sie gelegentlicher Konsument sind, muss Ihnen die Fahrerlaubnisbehörde noch zusätzlich nachweisen, dass Sie nicht zwischen Fahren und Cannabiskonsum trennen können. Das ist der Fall, wenn Sie bei einer Drogenfahrt einen THC-Wert von 1,0 ng/ml oder mehr haben.

- als regelmäßiger Konsument wird die Fahrerlaubnis entzogen, ohne dass Sie bei einer Drogenfahrt erwischt worden sind.

 

Wenn Sie bei einer Drogenfahrt angehalten worden sind, sollten Sie zunächst (natürlich) keine Angaben zur Sache machen und frühstmöglich einen Anwalt einschalten. Ich kann zudem nur dazu raten den Cannabiskonsum unverzüglich und gänzlich für ein paar Monate einzustellen! Die Fahrerlaubnisbehörde kann ein ärztliches Gutachten anordnen, um Ihnen den gelegentlichen Konsum nachzuweisen. Das kann durchaus auch Monate nach der Drogenfahrt noch geschehen. Wurde dann bei der Rauschfahrt THC im Blut nachgewiesen und im Rahmen des ärztlichen Gutachten (vielleicht Monate später) wiederum, hat Ihnen die Behörde auf jeden Fall zweimaligen Konsum nachgewiesen und das ist bereits gelegentlicher Konsum. Dann lässt sich nicht mehr darstellen, dass der Konsum von Cannabis bei der Drogenfahrt einmaliger Probierkonsum war.

Wichtig: Sollten Sie bereits im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitenverfahren gemäß § 24a StVG ein Fahrverbot und eine Geldstrafe erhalten haben, können Sie nicht erleichtert wieder Cannabis konsumieren und Ihren Feierabend-Joint rauchen: das Ordnungswidrigkeitenverfahren nach § 24a StVG hat nichts mit dem Fahrerlaubnisverfahren zu tun. Dass heißt, auch nachdem Sie das Fahrverbot abgesessen haben und eine Geldbuße bezahlt haben, kann eine Fahrerlaubnisentziehung auf Sie zukommen. Die beiden Verfahren laufen nebeneinander. Auch wenn Sie sich damit doppelt bestraft fühlen (sollten), können beide Verfahren auf Sie zukommen.

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Kommentare

  • Tamo (Montag, 21. März 2016 11:24)

    Hallo,
    bin in eine Polizeikontrolle gekommen. Irgendwie trauten mir die Polizisten nicht und es wurde Blutabnahme angeordnet, obwohl ich mich nicht auffällig verhalten habe (war nicht breit). Ich rauche ab
    und zu manchmal auch öfter. Habe angegeben, am Nachmittag vorher geraucht zu haben, sonst gar nichts! Was erwartet mich jetzt?

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 21. März 2016 12:22)

    Hallo Tamo,
    was Sie erwartet, kann erst anhand der Blutwerte bewertet werden und ich gehe davon aus, dass Sie die noch nicht haben...? Grobe Richtlinien hisichtlich der Blutwerte sind:
    - ist Ihr THC-COOH-Wert bei 150 ng/ml oder darüber, werden Sie mit aller Wahrscheinlichkeit als regelmäßiger Cannabiskonsument eingestuft und die Fahrerlaubnis wird entzogen.
    - bei 5-75 ng/ml gehen die Gerichte von (mindestens) gelegentlichem Konsum aus. Haben Sie dann noch einen aktiven THC-Wert von 1,0 ng/ml, wird die Fahrerlaubnis ebenfalls entzogen.
    - es bleibt aber auch noch die Möglichkeit, dass Sie nur ein einziges Mal Cannabis konsumiert haben!! Dies muss natürlich mit den Blutwerten und den Aussagen übereinstimmen, dann wird die
    Fahrerlaubnis gar nicht entzogen. Also dringend Anwalt einschalten, wenn die Werte da sind.
    Ohne Blutwerte kann nichts Abschließendes gesagt werden...

  • yassin (Mittwoch, 28. Februar 2018 19:23)

    Ich muss in 4 Wochen für die führerscheinstelle eine blut und urin Probe abgeben seid 4 Wochen habe ich den Konsum eingestellt. Was kann mich von seiten der führerscheinstelle erwarten wenn ein blut sauber ist aber im urin noch das Abbau Produkt nachgewiesen werden kann ?

  • jassin (Mittwoch, 28. Februar 2018 19:45)

    Ich habe den personenbeförderungschein beantragt jetzt muss ich von der führerscheinstelle her eine blut oder urinprobe machen weil ich in meiner Jugend bei mir Zuhause cannabis gefunden wurde und ich einmal verurteilt wurde cannabis verkauft zu haben (polizeiliches Führungszeugnis ist sauber) Ich wurde noch nie während der auto Fahrt angehalten . Ich habe vor vier Wochen aufgehört zu kiffen und muss am 2 April zum drogentest.. womit muss ich rechnen ? Ich denke daß,dass blut zu 100% frei sein muss von den abbau Produkten stimmt das ? Aber der urin ist nicht so schnell clean wahrscheinlich was kann passieren wenn das Blut sauber ist aber im urin noch thc-cooh nachgewiesen werden kann ? Bekomme ich den personenbeförderungsschein nicht und entziehen sie mir am ende noch die klasse B ?

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 01. März 2018 12:41)

    Hallo,
    ich kann Ihnen nicht sagen, ob Ihre Blut-und Urinwerte kein THC mehr enthalten werden. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, vor allem von Ihrem vorrangegangenen Konsummuster. Je mehr und häufiger Sie konsumiert haben, desto länger ist THC nachweisbar, auch über drei Monate. Wenn Sie allerdings nur gelegentlich konsumiert haben, bestehen gute Chancen, dass kein THC mehr nachweisbar ist.
    Ich sehe keinen Grund, Ihnen den Führerschein zu entziehen, auch wenn die lang zurückliegenden Cannabisdelikte noch herangezogen werden, um gelegentlichen Konsum anzunehmen. Sie können offensichtlich zwischen Konsum und Fahren trennen, Sie sind im Straßenverkehr bisher diesbezüglich nicht aufgefallen.
    Probleme bekommen Sie sicherlich mit dem Personenbeförerungsschein, wenn bei Ihnen Drogenkosum festgestellt werden sollte.
    Viele Grüße

  • Michaela (Freitag, 23. März 2018 13:44)

    Bitte Hilfe in folgendem Fall. Ein 17 jähriger wurde mit Cannabis erwischt. Einmaliger Konsum wurde zugegeben. Gerichtsverfahren mit geldstrafe ist beendet. Keine Eintragung. Einige Monate später meldete sich Die Behörde wollte 2 Urintests. Der erste war sauber der zweite wies 5ng/ml thc cooh auf. Die Behörde will den Führerschein entziehen. Darf sie das? Der Beschuldigte Streitet jeden erneuten Eigenkonsum ab. Kontakte zu Konsumenten gibt es noch. Könnte auch durch Diät und mehr sportliche Aktivitäten dieser Wert noch aufgetaucht sein? Auch wenn es schwierig ist zu beweisen woher der Wert nun kommt darf die Behörde den Führerschein entziehen? Es wurde nicht unter Drogen gefahren.

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 23. März 2018 14:48)

    Hallo,
    nach "einigen Monaten" und einmaligen Kosum kann ich mir nicht erklären, wie noch THC im Blut festgestellt werden konnte, auch nicht anhand von Sport oder einer Diät. Auf jeden Fall sieht die Behörde durch den eingestandenen Konsum im Strafverfahren und nun durch die Urintests einen gelegentlichen Konsum als bewiesen an. Da aber kein Bezug zum Straßenverkehr besteht und Sie kein fehlendes Trennungsvermögen aufweisen, sollte eine Fahrerlaubnisentziehung nicht möglich sein, sondern allenfalls die Anordnung eines ärztlichen Gutachtens oder einer MPU. Bei einer Entziehung der Fahrerlaubnis sollten Sie unverzüglich einen mit der Materie vertrauten Anwalt einschalten.
    Viele Grüße

  • Nine :) (Samstag, 31. März 2018 19:15)

    Hallo. Mein Freund und ich haben eine Frage... seid ziemlich genau 2 Jahren hat mein Freund seinen Führerschein. Bevor er ihn hatte, haben wir uns ab und zu mal n joint gegönnt. Seitdem er seinen Führerschein hat gar nicht mehr. Nun würde er gerne mal wieder einen Rauchen traut sich aber nicht aus Angst seinen Führerschein zu verlieren. Können sie uns vielleicht sagen wie lange er wirklich kein Auto fahren darf wenn er seinen Führerschein nicht gefährden will

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 03. April 2018 10:52)

    Hallo,
    das kann Ihnen leider wohl niemand genau sagen. Schon die Menge, die Sie konsumieren und vor allem auch der Gehalt an THC im Cannabis ist unbekannt. Bei einmaligen Konsum sollte der aktive THC-Wert im Blut bereits nach 6 Stunden unter den Grenzwert von 1 ng/ml fallen (alles ohne Gewähr). Konsumieren Sie häufiger, ist hierüber schon keine Aussage zu treffen. Zudem kann Ihnen bei einem Grenzwert unter 1 ng/ml THC kaum der Führerschein entzogen werden, aber wenn der THC-COOH-Wert noch auffällig ist (der deutlich länger nachweisbar ist), kann die Fahrerlaubnisbehörde ein ärztliches Gutachten anordnen oder bei Nachweis gelegentlichen Konsums sogar eine MPU.
    Der Nachweis vom aktiven THC im Blut ist nicht vorhersagbar. Wenn Sie selten konsumieren, sollte 72 Stunden nicht gefahren werden und auch das ist völlig ohne Gewähr!!! Aber selbst wenn Sie unter dem Grenzwert von 1,0 ng/ml, besteht die Gefahr, dass Ihr THC-COOH-Wert positiv ist und Ihnen damit zumindest Drogenkonsum nachgewiesen ist, was weitere Maßnahmen der Fahrerlaubnisbehörde auslösen kann. Vielleicht sollten Sie Ihren geplanten Konsum auf den Urlaub verlegen...
    Viele Grüße

  • Marko (Dienstag, 24. April 2018 19:41)

    Hallo,
    Ich habe am 17.01.2018 dass letzte mal nach jahrelangem Konsum was geraucht. Und heute am 24.04 ist mein Urintest noch Positiv gewesen. Ich bin nicht gerade schlank und versuche momentan abzunehmen.

    Ich ziehe am 01.07 von Berlin nach Bayern und habe voll Angst meinen Führerschein zu verlieren.

    Wie hoch darf denn der Cooh wert in Bayern sein?
    Ich laß mal was von 100ng.
    Und ist nicht irgendwann ein Zeitpunkt erreicht dass kein Cooh Wert mehr gemessen werden kann?

    Ich lese immer bis zu 77 Tage, und dass es auch drüber sein kann. Aber ist nach über 6 Monaten noch was Nachweisbar?
    Gibt es nicht einen Zeitpunkt an dem es aus dem Fett gelöscht ist egal wie lahm der Stoffwechsel ist?

    Viele Grüße aus Berlin

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 25. April 2018 10:12)

    Hallo,
    also wie nach jahrelangen Pausieren und nachfolgendem Einmalkonsum von Cannabis nach drei Monaten noch positiv auf THC getestet werden konnte, ist mir völlig schleierhaft. Die "77 Tage Nachweisbarkeit" und teilweise darüberliegende Nachweisbarkeit bezieht sich in den wissenschaftlichen Studien auf reglmäßige Konsumenten und ganz bestimmt nicht auf Einmalkonsumenten. Von einer Nachweisbarkeit von THC nach 6 Monaten habe ich noch nie etwas gehört. Da scheinen Sie eine Kuriosität zu sein (oder doch mal zwischendurch konsumiert?). Da kann ich Ihnen nur raten, erst wenn der Test negativ ist, sich wieder ans Steuer zu setzen.
    Viele Grüße

  • Marko (Mittwoch, 25. April 2018 17:45)

    Oh da haben sie was falsch verstanden. Ich habe am 17.01.2018 das letzte mal geraucht bzw aufgehört und dann nichts mehr geraucht.

    Also kann ich davon ausgehen, egal wie viel Körperfett ich am Körper trage bzw wie viel Fett ich abnehme, und wieviel ich geraucht habe, nach 6 Monate keine Thc-Cooh werte nachgewiesen werden können?

    Es ist jetzt fast 100 Tage das ich das letzte mal was geraucht habe, und der Urintest auf 25 ng ist gestern positiv gewesen.

    Ich werde jetzt noch zum Arzt gehen und mein Blut testen lassen, weil ich genau wissen möchte wie hoch mein COOH wert genau ist.

    Aber ich Trau mich kaum noch Auto zu fahren.

    Danke für die Antwort

  • Marko (Mittwoch, 25. April 2018 19:46)

    Hallo Frau Fischer,
    Sie haben mich falsch verstanden.
    Ich habe nach jahrelangem kiffen am 17.01.2018 dass letzte mal was geraucht.. also aufgehört.

    Am 24.04.2018 habe ich dann einen Test (auf 25 ng) gemacht, und dieser ist Positiv gewesen.

    Also kann ich von ausgehen, das egal wie viel fett ich habe, und egal wie viel ich geraucht habe in der Vergangenheit man nach 6 Monaten nichts mehr nachweisen kann? Auch wenn ich eine Diät mache?

    Ich möchte jetzt noch einen Test beim Arzt machen. Ich traue mich kaum noch Auto zu fahren.

    Vielen Dank für Ihre Antwort!

  • Felix (Mittwoch, 25. April 2018 23:20)

    Hallo Frau Fischer,
    auch ich habe eine Frage und würde mich über eine Antwort sehr freuen.
    Ich habe seit dem 16.3. nichts mehr geraucht und habe auch nicht mehr vor dies zu tun
    Nun ist es so, dass ich gestern eine Urinprobe abgegeben habe. Das Ergebnis beträgt 48ng/ml. Parallel wurde auch der Kreatininwert bestimmt. Dieser liegt bei 28mg/dl.
    Muss ich im Falle einer Kontrolle noch mit dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen? Ich meine die Antwort zu kennen, dennoch verwirren mich die vielen Infos im Netz hierzu.
    Danke vorab
    LG

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 26. April 2018 10:17)

    Hallo Marco,
    ja dann erklärt sich der (wenn auch noch hohe) THC-Wert bei Ihnen. Der Rat bleibt der Gleiche: Testen Sie sich auf THC, erst beim negativen Ergebnis können Sie gefahrlos Auto fahren. Denn auch wenn Sie nun unter dem Grenzwert getestet werden, kann die Fahrerlaubnisbehörde zwar die Fahrerlaubnis nicht (direkt) entziehen, aber sie darf andere Maßnahmen ergreifen (äG, MPU). Sie sind offensichtlich mit Glück "unter dem Radar geflogen" und wurden nie im Rahmen einer Verkehrskontrolle belangt. Das sollten Sie nun, da Sie offenbar aufhören wollen zu konsumieren, nicht noch aufs Spiel setzten. Eine negative Testung auf THC dürfte bei Ihnen auch in nicht allzu ferner Zukunft der Fall liegen, wie gesagt, habe ich von einem positiven Ergebnis einem halben Jahr nach dem letzten Rauchende noch nicht gehört. Und eins ist richtig: in Bayern sollte man sich nicht mit positiven THC-Ergebnissen erwischen lassen.
    Viele Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 26. April 2018 10:27)

    Hallo Felix,
    eine direkte Entziehung der Fahrerlaubnis halte ich für unwahrscheinlich, da Sie den Grenzwert von 1,0 ng/ml nicht mehr aufweisen sollten (aktives THC) und damit bei Ihnen kein fehlendes Trennungsvermögen vorläge. Aber die Fahrerlaubnisbehörde kann dann andere, auch sehr unangenehme Maßnahmen, wie ein ärztliches Gutachten oder eine MPU, anordnen. Meist wird bei Ihrem THC-COOH-Wert (bei 48 ng/ml gehe davon aus, dass Sie den THC-COOH-Wert meinen) gelegentlicher Konsum unterstellt und dann eine MPU zur Prüfung Ihres Trennungsvermögens angeordnet.
    Viele Grüße

  • Max (Dienstag, 15. Mai 2018 17:24)

    Guten Tag Frau Fischer,
    einen Tag nach einem Amsterdamurlaub, musste ich mich einer Verkehrskontrolle unterziehen. Mir wurde auf dem Polizeirevier Blut abgenommen. Nun kamen die Ergebnisse des Bluttest: der aktive THC Wert liegt bei 0,7ng und der THC-COOH-Wert bei 18ng. Der Polizist meinte, dass die Ordnungswidrigkeit fallen gelassen wird. Trotzdem werden die Ergebnisse an die Führerscheinstelle weitergeleitet. Könnte mir trotz allem eine MPU drohen ? Bundesland: Rheinland-Pfalz
    Vielen Dank & Liebe Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 15. Mai 2018 18:10)

    Guten Tag,
    es ist schon äußerst gut, dass der Grenzwert von 1,0 ng/ml THC nicht überschritten wurde. Die Behörde kann aber im schechtesten Fall aufgrund des THC-COOH-Werts von 18 ng/ml unterstellen, dass bei Ihnen gelegentlicher Konsum von Cannabis vorliegt (auch wenn sämtliche wissenschaftliche Studien und auch die überwiegende Rechtsprechung dem widerspricht) und damit eine MPU anordnen. Wahrscheinlicher ist, dass ein ärztliches Gutachten angeordnet wird. Häufig werden bei Nichterreichen des Grenzwerts von 1,0 ng/ml THC keine weiteren Maßnahmen angeordnet, Sie sind dann aber ganz gewiss "auf dem Schirm" der Führerscheinstelle und beim nächsten Vorfall gibt`s dann sicher eine Reaktion. Was es bei Ihnen wird, müssen Sie abwarten. Ich kann Ihnen nur raten, keine Angaben (mehr) ohne Rücksprache mit einem Anwalt zu machen.
    Viele Grüße

  • Mark Müller (Samstag, 19. Mai 2018 20:24)

    Guten Tag Frau Fischer, ersteinmal vielen Dank für Ihre Aufklärung.
    Ich hätte eine kurze Frage. Ich habe am 18.05 gegen 23 Uhr exakt viermal an einem Joint gezogen. Ich rauche so gut wie nie Cannabis, höchstens einmal im halben Jahr wenn es sich ergibt.
    Kann ich in diesem Fall ruhigen Gewissens nach 24 Stunden ins Auto steigen?
    Kann ich im Falle eine Verkehrskontrolle sagen dass ich bspw vor zwei Tagen an einem Joint gezogen habe? Ich würde in dem Fall nicht die Aussage verweigern wollen, da das natürlich so aussieht als hätte man etwas zu verbergen. Auf der anderen Seite möchte ich auch ehrlich sein.
    Herzlichen Dank schonmal für Ihre Hilfe!
    Viele Grüße,
    Mark

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 22. Mai 2018 13:11)

    Hallo Mark,
    Ihre beabsichtigten Angaben ergeben den Nachweis für gelgentlichen Cannabiskonsum (zweimaliger Konsum - auch im Abstand von mehreren Jahren - können ausreichend sein), wenn dann noch noch die Blutwerte bei einer Verkehrskontrolle über den Grenzwert von 1,0 ng/ml liegen, wird der Führerschein voraussichtlich entzogen.
    Bei einem darunter liegenden Grenzwert gehe ich bei Ihren geplanten Angaben von der Anordnung einer MPU aus.
    Viele Grüße

  • Leon (Freitag, 09. Oktober 2020 14:28)

    Guten Tag Frau Fischer,

    mein letzter Konsum hat am 11.08.20 stattgefunden. Davor bin ich 3 Jahre lang ein Dauerkonsument gewesen ( 2 Joints pro Tag ). Mein schönes Auto verfällt vermutlich schon bald einem Standschaden und deshalb habe ich mich dazu entschieden Cannabis nicht mehr zu konsumieren. Stand Heute sind das bisher 2 Monate ohne Konsum. Etwa 50€ habe ich bisher für Urintests ausgegeben, die bisher positiv ausgefallen sind. Das diese Tests vermutlich noch weitere Monate ein positives Ergebnis aufweisen frage ich mich, ob es nicht sinnvoller wäre mir beim Arzt einen Bluttest machen zu lassen. Zu meiner Frage: wenn ich nun Heute ins Auto steig, besitze ich dann noch den über 1ng aktiv wert? wenn dies nicht der fall ist also wenn ich unter 1 ng aktiv sein sollte aber der passiv wert hoch ist, kann hier dann der Führerschein entzogen werden?

    Liebe Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 12. Oktober 2020 23:35)

    Hallo Leon,
    dass bei Ihnen jetzt noch ein aktiver THC-Wert festgestellt wird, ist kaum vorstellbar. Aber Sie sehen, dass bezüglich der Abbauprodukte (THC-COOH-Wert) die Tests aufgrund Ihres früheren regelmäßigen Konsums noch positiv sind. Kommen Sie in eine Kontrolle und fällt ein Test dann immer noch positiv aus, kann die Fahrerlaubnsibehörde tätig werden. Meistens schießt die Fahrerlaubnisbehörde meiner Erfahrung nach dann noch übers Ziel hinaus (es kommt zu rechtswidrigen MPU-Anordnungen usw.) Dass heißt dann für Sie, den Anordnungen der Fahrerlaubnisbehörde nachzukommen oder gegen einen rechtswidrigen Bescheid vorzugen, eventuell sogar klagen zu müssen... Hört sich doch schon alles nicht gut an. Auch wenn ich damit mein Geld verdiene, kann ich Ihnen nur raten, solange nicht ein Fahrzeug zu führen, wie sie positive Tests haben. Da nun schon 2 Monate konsumfrei vergangen sind, kann dies auch nicht mehr allzu lange dauer. Nach ca. drei Monaten sollten die Tests dann auch negativ ausfallen. Um sich einen ganzen Rattenschwanz von Ärger und Ausgaben zu sparen, sollten Sie wirklich solange die Füße stillhalten (wenn Sie dies 2 Jahre gemacht haben, sollte es auf einen Monat nicht mehr ankommen). Die Fahrerlaubnisbehörde an den hacken zu haben ist wirklich kein Spaß, schonen Sie Ihre Nerven...
    Viel Grüße
    Simone Fischer

  • Franziska (Dienstag, 10. November 2020 15:53)

    Sehr geehrte Frau Fischer,

    ich frage für einen langjährigen Freund :
    Dieser hat über 20 Jahre lang täglich Cannabis in teilweise größeren Mengen konsumiert (wohnte bis vor kurzem in den Niederlanden) und nun kürzlich den Konsum aufgegeben, aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland.

    Er möchte wieder Auto fahren und fragt, wie lange er maximal warten sollte, um sicher unter die 1 ng/ml zu gelangen im Blut?

    Dabei dürfte es doch nur auf die Blutwerte ankommen, da der Urintest ja (mit der Folge der zwangsweise aufgeführten Blutabnahme) bei der Polizeikontrolle abgelehnt werden kann oder?

    Viele liebe Grüße und dankend im voraus,
    Franziska

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 16. November 2020 17:32)

    Hallo Franziska,
    der Konsum Ihres Freundes ist natürlich eine Hausnummer. Feste Grenzen gibt es aber nicht für die Nachweisbarkeit von THC im Blut, das Abbauverhalten von THC ist bei jedem Menschen ganz individuell. Die Forschung ist sich insgesamt da sehr uneins. Aber für Ihren Freund bei seinem Konsummuster gilt: kommt er in eine Verkehrskontrolle, muss er vor Ort keinen Urin abgeben (würde ich auch immer ablehnen). Dann kommt es aber voraussichtlich zur Anordnug eines Bluttest. Dabei kommt es letztlich nicht nur darauf an, ob der aktive THC-Wert unter 1 ng/ml liegt, denn auch auch die Nachweisbarkeit von THC überhaupt, also auch der Abbauprodukte (THC-COOH), hat fahrerlaubstechnisch Konsequenzen. THC-COOH kann auch noch nach 3 Monaten im Blut festgestellt werden (beim angegebene Konsum Ihres Freundes auch wahrscheinlich). Es ist dann voraussichtlich so, dass die Fahrerlaubnisbehörde den Sachverhalt weiter aufklären wird. Dazu bedienen sie sich dann eines ärztlichen Gutachtens oder einer MPU. Wollen Sie das ungehen, kann ich nur empfehlen, dass Ihr Freund für drei Monate nicht ein Kraftfahrzeug führt und dann einen Bluttest machen lässt, um sicher zu gehen, dass kein THC im Blut mehr nachweisbar ist. Erst dann würde ich wieder raten, ein Auto zu fahren.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Normen (Sonntag, 20. Dezember 2020 19:45)

    Hallo, mir wurde Anfang des Jahres (2020) während einer Polizeikontrolle (Verkehrskontrolle) Blut abgenommen. Nach einigen Monat erhielt ich das Einstellungsverfahren mit folgenden Werten: THC: 0,8 ng/ml & THC-COOH: 8,2 ng/ ml. (Vorher wurde ein Speicheltest gemacht. Dieser fiel komischerweise Kokain? Und auf THC positiv aus). Nachdem das Verfahren eingestellt wurde und keine Angaben über die kokain-Werte gemacht wurden, habe ich den Konsum ab November wieder aufgenommen. Jetzt im Dezember habe ich ein Schreiben von der Führerscheinstelle erhalten. Diese hat mich aufgefordert innerhalb von zwei Tagen eine Urinprobe abzugeben um die Substanzen nachzuweisen. Nachdem ich das Drogenscreening verschieben konnte (aufgrund der aktuellen Pandemie Lage) habe ich natürlich den Konsum eingestellt. Das letzte Mal habe ich vor einer Woche circa 5 g Cannabis konsumiert. Nun zu meiner Frage: muss ich Bedenken haben falls ähnliche Werte durch die Urinprobe zu Stande kommen jedoch mein THC Wert unter 1 ng/ml bleibt?

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 22. Dezember 2020 17:01)

    Hallo Norman,
    bei der Verkehrskontrolle waren die aktiven THC-Werte unter 1,0 ng/ml. Das war ein Konsum. Jetzt haben Sie womöglich/wahrscheinlich einen weiteres Mal THC-Werte, die aber nicht im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen. Das sind auf jeden Fall mal zwei Konsumvorgänge. Damit ist Ihnen (leider) erstmal gelegentlicher Konsum nachgewiesen (zweimal konsumieren reicht dafür bereits). Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet dann gewöhnlich eine MPU an, die meines Erachtens nicht rechtmäßig ist, da aufgrund der Fahrt mit einem Grenzwert UNTER 1,0 ng/ml keine konkreten Eignungszweifel bestehen. Hierzu gibt es auch entsprechende Rechtsprechung. Am Ende muss immer abgewartet werden, was die Fahrerlaubnisbehörde tatsächlich macht, um dies auf Rechtmäßigkeit zu überprüfen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Dani (Donnerstag, 24. Dezember 2020 14:42)

    Guten Tag,
    ich hatte auch nach einer Verkehrskontrolle THC unter 1,0 ng/ml im Blut (0,75 ng/ml). Kann ich dann auch mit einer MPU rechnen? Oder kann ich noch was machen?
    Gruß
    Daniel

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 24. Dezember 2020 14:56)

    Gutan Tag, Daniel,
    was man unbedingt machen kann und auch sollte, ist nach einem ersten Auffälligwerden mit THC im Straßenverkehr, den Konsum ganz und komplett einzustellen. Wie man im vorherigen Fall gesehen hat, kommt die Fahrerlaubnisbehörde auch noch nach Monaten mit Anordnungen auf einen zu. Wenn nach der ersten Auffälligkeit im Straßenverkehr dann in noch einer weiteren Probe THC nachgewiesen werden kann, ist gelegentlicher Konsum nachgewiesen und man ist der MPU einen Schritt näher. Bei einmaligen Probierkonsum sollte maximal ein ärztliches Gutachten angeordnet werden.
    Entscheidend dürfte bei Ihnen letztlich sein, dass die Fahrt festgestellten THC-Konzentration von 0,75 ng/ml im Blut keine MPU-Anordnung rechtfertigt, da allein aufgrund dieses Sachverhalts keine konkreten Eignungszweifel, die für eine MPU-Anordnung Voraussetzung sind, vorliegen.
    So hat auch das Verwaltungsgericht Freiburg 2017 entschieden, da heißt es: "Mit dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof geht die Kammer davon aus, dass eine Fahrt mit einer THC-Konzentration im Blut, die geringer als 1,0 ng/ml ist, regelmäßig noch keine konkreten Eignungszweifel begründet".
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Jens (Donnerstag, 24. Dezember 2020 15:16)

    Moin,
    mal angenommen, ich habe THC-Werte unter 1,0 ng/ml. Das ist dann ja fürs Fahren erstmal ok. Eine MPU ist aber trotzdem möglich, wenn Eignungszweifel dazu kommen. Was sind denn Eignungszweifel?
    Grüße und Dank
    Jens

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 24. Dezember 2020 15:22)

    Guten Tag Jens,
    ein Verstoß gegen das Trennungsverbot ist nach ständiger Rechtsprechung erst – aber auch schon – bei der Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss einer THC-Konzentration von mindestens 1,0 ng/ml gegeben. Jedoch kann ein unter diesem Grenzwert liegendes Ergebnis nicht allein die Feststellung begründen, dass ein Trennungsvermögen nicht gegeben ist. Es wird dann vielmehr weiter geprüft, ob zusätzlich Anhaltspunkte für ein Fehlen des Trennungsvermögens vorliegen. Das können insbesondere Auffälligkeiten bei der Verkehrskontrolle sein, wie Tremor, Gangunsicherheit oder sonst rauschbedingte Zustände
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Jens (Donnerstag, 24. Dezember 2020 15:25)

    Eine Nachfrage bitte,
    gibt es denn Urteile, in denen das genauso drinsteht, wenn eine Behörde das anders sieht? Es wird ja auch wohl unter 1,0 ng/ml MPUs angeordnet. das wäre dann ja nicht rechtens.
    Grüße und Danke.
    Jens

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 24. Dezember 2020 16:02)

    Ja, die gibt es natürlich (meistens gibt es aber dann auch noch ein "Gegenurteil"...). Der VGH Baden-Württemberg hat mit Urteil im Oktober 2014 erklärt, dass die Anordnung einer MPU in Folge des Führens eines Fahrzeuges nur dann bei einer THC-Konzentration unter dem Grenzwert von 1,0 ng/ml THC erfolgen kann, wenn zusätzliche tatsächliche Anhaltspunkte für eine Fahrbeeinflussung gegeben sind.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Timo (Donnerstag, 24. Dezember 2020 16:04)

    Tach auch,
    ich habe eine MPU aufgedrückt bekommen. Hatte nur 0,6 ng/ml THC. Das geht dann doch aber nicht. Sonst hat mir keiner was gesagt, nix gesehen wegen „Eignungszweifel“. In den Schreiben der Behörde steht davon nix!
    Gruß
    Timo

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 24. Dezember 2020 16:13)

    Hallo Timo,
    dann ist meines Erachtens die MPU-Anordnung rechtswidrig. Entscheidend ist, was konkret in der MPU-Anordnung steht. Auf die genannten Gründe in der Gutachtensanordnung kommt es maßgeblich an: bei der Prüfung, ob die Behörde die Beibringung eines in ihrem Ermessen stehenden Gutachtens fehlerfrei angeordnet hat, sind NUR die in der Gutachtensanordnung verlautbarten Erwägungen berücksichtigungsfähig. Die Anforderungen sind sehr streng, weshalb eine Vielzahl an MPU-Anordnungen auch rechtswidrig sind.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Deniz (Mittwoch, 13. Januar 2021 01:06)

    Guten Tag Frau Fischer
    Ich war dauer Konsument (Cannabis) Und habe jetzt eine bahnärztliche Untersuchung in 2 Tagen ich bin jetzt seit fast 13 Wochen clean und noch immer zeigt mir der Drogentest von der Apotheke positiv an und ich habe Angst durch zu fallen und den Job nicht zu bekommen ich weiß auch garnicht worauf die achten aktiv Gehalt oder such Abbauprodukte ?
    Dazu würde ich gerne wissen ob es länger im Urin oder Blut nachweisbar ist danke Mit freundlichen Grüßen deniz

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 13. Januar 2021 12:45)

    Guten Tag, Deniz,
    ich gehe fest davon aus, dass mit einem Drogentest THC-COOH-Werte festgestellt werden sollen (der aktive THC-Wert ist ja nur relativ kurze Zeit nachweisbar - die sind ja auch nicht doof...). Das wird mit einem Blut- und/oder Urintest erfolgen. Im Urin ist THC länger nachweisbar als im Blut. Es würde mich wundern, wenn nach 13 Wochen immer noch THC-Werte im Blut feststellbar wären. Im Urin kann THC-COOH auch noch nach drei Monaten gestgestellt werden, insbesondere wenn vorher reghelmäßig konsumiert wurde. Dennoch sollte zumindest zeitnah nach 13-wöchiger Abstinenz auch hier keine positiven Werte mehr feststellbar sein.
    Ich drücke Ihnen die Daumen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Peter (Samstag, 23. Januar 2021 12:19)

    Hallo Frau Fischer,
    leider musste ich mich einer Blutkontrolle unterziehen lassen.
    Allerdings habe ich davor für mindestens 88 Stunden nichts zu mir genommen, davor jedoch jeden Abend einmal für ca. 2-3 Wochen in geringen Mengen (1-2 Züge am Verdampfer). Vor diesen 2-3 Wochen überhaupt nichts eingenommen.
    Was könnte auf mich zu kommen?
    Liebe Grüße
    Peter

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 26. Januar 2021 11:14)

    Hallo Peter,
    was man nach Cannabiskonsum am Ende für THC-Werte hat, dafür braucht man eine Kristallkugel. Das ist bei jedem Menschen anders. Möglich bei Ihnen ist insbesondere, dass bei Ihnen THC-COOH-Werte festgestellt werden. Damit würde die Fahrerlaubnisbehörde wahrscheinlich aktiv werden. Aber rumspekulieren ohne Ihre Blutergebnisse ist wirklich müßig. Darum: THC-Werte abwarten und damit dann wieder melden, dann kann ich Konkreteres dazu sagen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • headless (Dienstag, 26. Januar 2021 21:06)

    Hallo Frau Fischer,
    Erst einmal ein Herzliches Dankeschön für diese Informative Seite und für den Zeitaufwand den Sie hier mit der Beantwortung aller Fragen betreiben. Das meiste konnte ich hier schon entnehmen :)
    Eine Frage bleibt für mich noch offen:
    Sind die Thc cooh Werte vom Urintest und Bluttest gleich hoch? Ich meine wenn ich in der Apotheke z.B. einen Urintest 150ng Cut Off mache und der negativ ist, kann man dann sicher sein dass beim Bluttest der Wert auch unter 150ng ist? Oder geht es im Blut sogar schneller? Hatte das so verstanden, dass es im Urin wesentlich länger nachzuweisen ist als im Blut.

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 26. Januar 2021 21:40)

    Hallo,
    es gibt viele unterschiedliche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen zur Nachweisbarkeit von THC bzw. THC-COOH im Blut und Urin. Grundsätzlich besteht aber eine längere Nachweisbarkeit im Urin als im Blut (insbesondere vom THC-COOH - bis zu ca. 3 Monate). Das gilt nicht nur für THC, sondern trifft auch bei anderen Drogen zu. Ich habe häufig Fälle, da wird im Rahmen einer Verkehrskontrolle freiwillig eine Urinprobe abgegeben (kann ich nur von abraten). Da wird dann Amphetamin nachgewiesen, was sich in der dann unmittelbar angeordneten Blutabnahme nicht bestätigt. Das führt dann aber schnell mal zu einer Fahrerlaubnisentziehung durch die Fahrerlaubnisbehörde, da einmaliger Konsum harter Drogen dafür ausreicht (meist reicht den Gerichten dann auch das Ergebnis eines Drogenschnelltest aus).
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • headless (Mittwoch, 27. Januar 2021 16:17)

    Vielen Dank für die schnelle Antwort.
    In den letzten Jahren habe ich regelmäßig konsumiert, ca 0.5-1g am Tag. Bin nun seit zwei Wochen sauber und habe nichts mehr angerührt. Meinen Sie, dass die Werte im Blut schon soweit gesunken sind, dass ich wieder fahren kann? Aktives thc wird ja mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr vorhanden sein oder irre ich da? Die Urintest (150ng) zeigen leider immernoch positiv an.

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 27. Januar 2021 21:15)

    Hallo,
    ich würde mich als Dauerkonsument und nach jahrelangem regelmäßigen Cannabiskonsum keineswegs darauf verlassen, dass bereits nach 2 Wochen kein Nachweis im Blut mehr möglich ist. Studien sind da im Ergebnis sehr unterschiedlich, aber bei Dauerkonsum würde ich von mindestens drei bis mehreren Wochen Nachweisbarkeit ausgehen. Selbst wenn "nur" noch THC-COOH nachgewiesen werden sollte, kann es ja zu Maßnahmen der Fahrerlaubnisbehörde kommen (im Urin wird sicherlich noch eine ganze Weile THC-COOH nachgewiesen werden können - bis zu drei Monate). Wer sicher gehen will, muss entsprechend lange warten oder einen Bluttest veranlassen, um zu sehen, dass keine Nachweisbarkeit mehr möglich ist.
    Simone Fischer
    Rechtsanwältin

  • Luca (Mittwoch, 27. Januar 2021 23:52)

    Moin,
    sinkt der THC-COOH- und der THC-Wert bei dünnen Menschen schneller als übergewichtigen Menschen, wegen dem Fettgewebe?

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 28. Januar 2021 15:39)

    Hallo Luca,
    ein wenig erforschtes Gebiet, aber man kann sagen, dass sich THC im Fettgewebe des Körpers ablagert. Menschen mit einem höherem Körperfettanteil speichern dann auch mehr THC als eine dünne Person. Das abgelagerte THC im Fettgewebe wird nur sehr langsam aus dem Körper ausgeschieden.
    Letztlich hängt die Nachweisbarkeit von vielen Faktoren ab und ist bei jeder Peron anders. Sport, Diäten, Stoffwechselraten usw. stellen Einflussfaktoren dar. Insbesondere aber natürlich ein intensiver Konsum.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Ilias (Sonntag, 31. Januar 2021 13:30)

    Guten Tag Frau Fischer, ich grüße sie.

    Folgendes hat sich ereignet. Ich kam am 18.11.20 in eine allgemein Verkehrskontrolle in Hannover. Der Polizeibeamte kannte mich von früher. Da ging es um Kokain und Speed. Des war 2013. Er bestand auf eine urin Probe, weil er dem Verdacht hatte ,dass ich noch was damit zu tun hatte. Ich natürlich gesagt keine Problem, weil ich zuletzt am 18.10.20 einen geraucht(so genannte moonrocks)habe und da eh nichts positiv kommt. War aber positiv auf cannabis...zur wache und Blut abnehmen lassen. Letztens informiert und er sagte es seinen 20 ng. Was habe ich zu befürchten. Habe seit dem 18.11.20 nicht mehr konsumiert, und test von Apotheke ist negativ. Kommt sofort ein mpu oder macht Führerscheinstelle Bluttest?

  • Ilias (Sonntag, 31. Januar 2021 13:47)

    Guten Tag Frau Fischer.

    Nach Kontrolle im Blut kam 20 ng sagt der Polizeibeamte. 18.11.20 kontroll. 18.10.20 letzte Joint mit hohem thc Gehalt. Moonrocks nennen sich des cannabis. Was passiert mit mir jetzt. Kommt sofort mpu? Ich habe seit dem nie geraucht

  • Klaus (Montag, 01. Februar 2021 18:52)

    Sehr geehrte Frau Fischer,

    nach einer Fahrzeugkontrolle mit positivem Urintest auf Thc und anschließender Blutentnahme wurde ich samt meinem Führerschein wieder entlassen und erwarte nun auf den Brief mit den Werten. Nach gut 3 Wochen Abstinenz nach der Kontrolle habe ich einen Urintest aus der Apotheke (cut off 50ng/ml) gemacht, der negativ war.
    Kann ich bis zu dem Zeitpunkt eines etwaigen FS-Entzugs nun wieder Autofahren und was erwartet mich bei einer erneuten Kontrolle?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Klaus

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 01. Februar 2021 23:07)

    @Ilias
    Hallo Ilias,
    zu Ihrer Kokain/Speed Vorgeschichte kann ich nichts sagen, da fehlen sämtliche Informationen. Dann schreiben Sie dass Sie eine Wert von "20 ng" haben. Da Sie einen Monat vor der Kontrolle zuletzt konsumiert hatten, nehme ich an, Sie hatten einen THC-COOH-Wert von 20 ng/ml (und nicht einen entsprechenden aktiven THC-Wert). Wahrscheinlich haben Sie dann einen (aktiven) THC-Wert unter dem Grenzwert (also unter 1 ng/ml). Das sind von Ihnen jetzt sehr rudimentäre Angaben. Sollten meine Annahmen aber zutreffen, ist hierbei umstritten, ob bei einem THC-Wert unter dem Grenzwert von 1 ng/ml eine MPU-Anordnung rechtmäßig ist. Die Fahrerlaubnisbehörden ordnen dennoch meistens eine MPU an (die Führerscheinstelle macht übrigens überhaupt keine Bluttests, die verlangt die Gutachtenstelle). Sollten Sie eine MPU-Anordnung erhalten und Sie Ihre Werte haben, sollten Sie einen Anwalt darüber schauen lassen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 01. Februar 2021 23:21)

    @Klaus

    Hallo Klaus,
    solange kein Fahrverbot besteht und Ihnen der Führerschein nicht entzogen wurde, können Sie Auto fahren. Sie sollten auf jeden Fall Ihren Konsum weiterhin komplett einstellen. Wenn Ihre THC-Werte einen Rückschluss auf regelmäßigen Konsum nicht zulassen, wird die Fahrerlaubnisbehörde ein ärztliches Gutachten oder eine MPU anordnen. Wenn da ein positives Ergebnis erreicht wird, wird Ihnen der Führerschein nicht entzogen. Wenn Sie jetzt aber noch einmal in eine Verkehrskontrolle geraten und dann festgestellt wird, dass Sie auch ein zweites Mal nicht zwischen Fahren und Cannabiskonsum trennen konnten, wird die Fahrerlaubnis vermutlich entzogen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Ahmet Pektas (Dienstag, 02. Februar 2021 22:56)

    Hallo Frau Fischer!

    Ich Habe im Oktober bei einer Allgemeinen Verkehrskontrolle Urin und Blut abgeben müssen. aktiv 20ng/ml und passiv 99ng/ml. Nach 2 Monaten Mitte Dezember kam dann ein Schreiben von der Fahrerlaubnisbehörde, dass diese ein ärztliches Gutachten von mir wollen und da ist eine Frage die gestellt wird: Nimmt Herr xxx Cannabis ein? Und inwiefern ist Herr XXX Konsumverhalten zu bezeichnen? Je nach Konsumverhalten bekomme ich meinen Führerschein entzogen. Doch bei gelegentlichem Konsum wird mir eine MPU angeordnet. Ich habe jetzt seit 2 Monaten nichts mit BTM zu tun und habe es auch in der Zukunft nicht mehr vor. Mein MPU Berater hat mir empfohlen, dieses ärztliche Gutachten nicht anzutreten sondern direkt freiwillig die MPU zu machen. Ich weiß jetzt nicht was ich machen soll.. danke für ihre Antwort

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 03. Februar 2021 21:05)

    Guten Abend, Herr Pektas,
    ich kann Ihre Frage bezogen auf Ihren Einzelfall keinesfalls beantworten. Dazu fehlen mir sämtliche notwendigen Informationen und natürlich Akteneinsicht zur Bewertung einer sinnvollen Strategie.
    Grundsätzlich aber will die Fahrerlaubnisbehörde mit dem ärztlichen Gutachten Ihr Konsummuster aufklären. Ein regelmäßiger Konsum würde dann zur Entziehung der Fahrerlaubnis führen. Ob Ihr MPU-Berater davon ausgeht, dass Ihnen das drohen könnte, müssen Sie ihn mal fragen. Zwar sind Ihre THC-COOH-Werte ganz schön hoch, weisen aber offensichtlich auch für die Fahrerlaubnisbehörde keinen regelmäßgen Konsum nach, sonst hätten sie den Führerschein doch direkt entzogen. Aber da hat Ihr Berater wahrscheinlich mehr Informationen als ich. Vielleicht geht Ihr Berater aber auch davon aus, dass Ihnen gelegentlicher Konsum sehr wahrscheinlich nachgewiesen werden kann. Dann würde die Fahrerlaubnisbehörde auch noch eine MPU anordnen. Dann können Sie sich in der Tat das ärztliche Gutachten sparen. Ich kann hier nur Vermutungen anstellen, aber Sie müssen sich den Rat Ihres Beraters auch von ihm erklären lassen, ich kann hier aufgrund mangelnder Informationen nur die allgemeinen Orientierung geben.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Peter (Sonntag, 07. Februar 2021 07:51)

    Ich wurde im Oktober kontrolliert.
    Thc wert 3,9 ng/ml
    Hydroxy thc 1,3 ng/ml
    Thc carbonsäure 10ng/ml

    Seit dem habe ich kein marihuana mehr geraucht.
    Ich bin erstmalig aufgefallen. Konsumiere nichts mehr seit dem. Vorher war ich auch keine Dauerkonsument. Ich lasse mich jetzt anwaltschaftlich vertreten. Was kann mir von seitens der Führerscheinstelle drohen?
    Ich bin selbständig, ein Führerschein Entzug wäre existenziell bedrohend. Damals hatten wir ein Kind verloren und ich suchte Ruhe. Mein Bruder brachte marihuanan mit. Hald nix. Und wie der Teufel will werde ich am nächsten Tag aufgehalten und hatte noch rote Augen. Ich zeigte keine Ausfallerscheinungen.
    Ich freue mich auf eine Antwort

  • Luca (Sonntag, 07. Februar 2021 21:59)

    Moin,

    Muss man vor der Blutabnahme mit dem Arzt Reaktionstests im Stehen durchführen, oder ist das Freiwillig?

    ( Habe das mal bei "Achtung Kontrolle" gesehen)

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 10. Februar 2021 21:12)

    @Peter
    Hallo Peter,
    ich kenne Ihre Führerscheinakte nicht und wenn Sie einen Anwalt haben, rede ich ihm da ungern rein. Sie sollten ihm Ihre Fragen stellen, da er Ihren Fall besser kennt. Ich kann nur allgemein etwas sagen: bei gelegentlichem Konsum und einer Teilnahme am Straßenverkehr mit Werten über dem Grenzwert ordnet die Fahrerlaubnisbehörde normalerweise eine MPU an mit der Frage, ob Sie zukünftig Fahren und Konsum trennen können. Bei (Behauptung eines) einmaligen Probierkonsum kommt es meist zu einem ärztlichen Gutachten, um Ihr Konsummuster zu überprüfen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 10. Februar 2021 21:35)

    @Luca
    Hallo Luca,
    grundsätzlich gilt, dass sie bei einer Verkehrskontrolle und auch bei einer dabei angeordneten Blutabnahme eine Duldungspflicht haben, aber keine Mitwirkungspflicht. Sie sind also nicht bei der Verkehrskontrolle zum "pusten" verpflichtet oder einen Urintest oder Ähnliches zu machen (davon ist auch dringend abzuraten). Auch Aussagen müssen Sie und sollten Sie nicht machen. Bei der Blutabnahme beim Arzt haben Sie dann ebenfalls nur eine Duldungspfliche, Sie müssen also nicht eine Nase-Finger-Probe machen, auf einer fiktiven Linie entlang gehen oder Ähnliches.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Sammy (Freitag, 12. Februar 2021 14:55)

    Guten Tag,
    ich habe eine MPU bekommen, weil ich mit THC Auto gefahren bin. Die Fragen in der MPU nicht nur nach THC, sondern auch nach "anderen psychoaktiv wirkenden Stoffen" und ob ich damit Auto fahren würde. Ich dachte ich würde mich jetzt nur wegen THC erklären müssen?
    Gruß
    Sammy

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 12. Februar 2021 15:01)

    Hallo Sammy,
    das sehe ich auch so. Wenn Sie nur aufgrund positiver THC-Werte eine MPU-Anordnung bekommen haben, ist eine Fragestellung im Gutachten auch nur hierauf zu beziehen und nicht auf andere Betäubungsmittel oder andere psychoaktiv wirkende Stoffe. Damit ist die Frage nicht anlassbezogen und damit unverhältnismäßig.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Kurt (Freitag, 12. Februar 2021 15:22)

    Guten Tag zusammen,
    ich habe bei einer Verkehrskontrolle Blut abgeben müssen und dummerweise angegeben, dass ich gekifft habe und auch Koks genommen habe. Im Blut wurde nur THC festgestellt und sonst nichts. Jetzt hat mir die FSSt gesagt, dass mir der Führeschein entzogen wird!! Aber es wurden doch keine harten Drogen nachgewiesen, müssen die das einem nicht Nachweisen?
    Gruß
    Kurt

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 12. Februar 2021 15:39)

    Hallo Kurt,
    die Fahrerlaubnisbehörde hat den Sachverhalt von Amts wegen zu ermitteln. Sie entscheidet dabei auch über Art und Umfang der Ermittlungen und zwar nach pflichtgemäßem Ermessen. Vorliegend hat der Fahrerlaubnisbehörde Ihr Eingeständnis bezüglich Ihres Kokainkonsum ausgereicht, um Ihnen die Fahrerlaubnis wegen Konsum harter Drogen zu entziehen.
    Grundsätzlich gibt es auch keine Regel, dass der die Fahreignung ausschließende Konsum einer harten Droge eines chemisch-toxikologischen Nachweises bedürfte. Damit ist Ihre Aussage durch die Fahrerlaubnisbehörde verwertbar, wenn (!!!) nicht gewichtige Gründe gegen ihre Richtigkeit sprechen. Sie können also nur noch darlegen, dass Ihre Angaben, die Sie zu Ihrem Kokainkonsum getätig haben, nicht richtig waren und nicht der Wahrheit entsprechen und natürlich, warum Sie dann solche Aussagen gemacht haben.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Maria (Freitag, 12. Februar 2021 16:06)

    Moin,
    ich habe bei einer MPU angegeben, 3 Tage vor der Verkehrskontrolle Cannabis konsumiert zu haben und davor Wochen nicht und dass ich selten konsumiere. Ich hatte ja auch positive Werte im Blut. Der Gutachter hat dann gesagt, dass meine Angaben nicht stimmen könnten, dafür wären meine THC-Werte nach 3 Tagen zu hoch oder ich würde regelmäßig konsumieren. Sonst könnten 3 Tage nach einem Konsum nicht solche Werte zustandekommen. Was hat das für Folgen?
    Danke und Grüße.
    Maria

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 12. Februar 2021 16:16)

    Hallo Maria,
    ein positives Ergebnis in einem Gutachten, dass eine Prognose über Trennungsvermögen beinhaltet, setzt (wohl auch) wahrheitsgemäße Angaben ihrerseits voraus. Darum sollten Angaben besser nicht dem Erfahrungswissen, den wissenschaftlichen Erkenntnissen oder dem Akteninhalt wiedersprechen. Sie haben das Ergebnis des Gutachtens offensichtlich noch nicht, das können Sie jetzt auch nur noch abwarten, darauf haben Sie jetzt keinen Einfluss mehr. Darum rate ich immer zu rechtzeitiger Beratung, auf jeden Fall vor einer MPU (inklusive Akteneinsicht)! Wenn Sie das Ergebnis haben, können Sie sich nochmal melden.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Bastian (Samstag, 20. Februar 2021 21:42)

    Guten Abend,
    Vekehrskontrolle zu spät gesehen. Hatte mir schon gedacht, dass die mir was ansehen, war dann also auch noch angespannt. Kurz gesagt hat es dann eine Blutabnahme gegeben. Ich habe jetzt kein ganz gutes Gefühl mit den Werten, ziemlich viel gekifft die letzten Wochen. Wie gehts denn im schlechtesten Fall nun weiter? Vorher habe ich auch mehr am Wochenende und ab und zu in der Wochegeraucht.
    Grüße und Danke
    Bastian

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 20. Februar 2021 21:51)

    Hallo Bastian,
    ich weiß nicht, was ziemlich viel gekifft heißt, aber täglicher oder nahezu täglicher Konsum wäre regelmäßiger Konsum, der zur Fahrerlaubnisentziehung führt. Nachgewiesen werden kann das durch die THC-Werte: nach herrschender Meinung ab einem THC-Wert von 150 ng/ml ist regelmäßiger Konsum nachgewiesen (anderen Ansichten reicht auch mal 100 ng/ml). Dass Sie Wochen vorher weniger konsumiert haben, hilft dann nichts, da es auf die Dauer des regelmäßigen Konsums nicht ankommt. Auch regelmäßiger Konsum über einen kurzen Zeitraum ist für einen regelmäßigen Konsum ausreichend. Aber erst einmal die Blutwerte abwarten, alles andere ist jetzt Spekulation.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Jan (Samstag, 20. Februar 2021 21:57)

    Moin,
    wenn die einem in einer Verkehrskontrolle keinen regelmäßigen Konsum mit den Blutwerten nachweisen, können die doch nichts machen? Dann gibts keinen regelmäßigen Kosum und keine Fahrerlaubnisentziehung.Oder können die einen noch anders drankriegen?
    Grüße
    Jan

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 20. Februar 2021 22:17)

    Hallo Jan,
    klar kann die Fahrerlaubnisbehörde den regelmäßigen Konsum auch anders nachweisen. Es ist denkbar, dass Sie bei der Verkehrskontrolle angeben, dass Sie grad eine Phase haben und jeden Tag konsumieren (alles schon vorgekommen). Oder Sie haben in einem vorangegangenen Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz Angaben gemacht. Haben Sie beim Strafgericht z.B. angegeben regelmäßig zu konsumieren, um die 20 Pflanzen, die Sie im Keller angebaut haben zu erklären, kann diese Aussage im Fahrerlaubnisverfahren verwertet werden, so dass die Fahrerlaubnis entzogen wird.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Ingrid (Samstag, 20. Februar 2021 22:19)

    Hallo zusammen,
    wo kann ich denn nachlesen, was gelegentlicher Konsum ist. Ich habe bisher keine Definition gefunden, aber irgendwo nach muss sich ja auch eine Behörde richten. Die müssen sich an Gesetze halten. Wenn ich denen jetzt schreiben wollte, dass ich gelegentlich konsumiert habe und nicht regelmäßig, was muss ich da anführen?
    Danke
    Ingrid

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 20. Februar 2021 22:27)

    Hallo Ingrid,
    eine Legaldefinition, also eine durch Gesetz gegebene Begriffsbestimmung, gibt es für den gelegentlichen Konsum nicht. Aber das Bundesverwaltungsgericht hat in einer Entscheidung aus 2013 eine Definition festgelegt. Das Bundesverwaltungsgericht führt aus:
    "Ausgehend davon und unter Berücksichtigung des Wortsinns des Begriffs „gelegentlich“ - Synonyme dazu sind beispielsweise „ab und zu“ oder „hin und wieder“ - ergibt sich, dass eine solche Einnahme eine geringere Konsumfrequenz voraussetzt als ein „regelmäßiger“ Konsum, nach der Zahl der Konsumvorgänge aber mehr erfordert als einen nur einmaligen Konsum. Dahinter steht die Erwägung, dass dann, wenn der Betroffene nachgewiesenermaßen bereits einmal Cannabis konsumiert hat, sich eine darauf folgende Phase der Abstinenz aber nicht als dauerhaft erweist, die dem „Einmaltäter“ zugutekommende Annahme widerlegt wird, es habe sich um einen einmaligen „Probierkonsum“ gehandelt, dessen Wiederholung nicht zu erwarten sei. Angesichts dessen ist gegen die vom Berufungsgericht in ständiger Rechtsprechung vertretene Auffassung, dass eine „gelegentliche“ Einnahme von Cannabis bereits bei zwei selbstständigen Konsumvorgängen anzunehmen ist, aus revisionsrechtlicher Sicht nichts zu erinnern. Diese Einordnung führt zugleich dazu, dass eine Regelungslücke zwischen einem nur einmaligen und dem gelegentlichen Konsum von Cannabis vermieden wird. Die einzelnen Konsumvorgänge müssen allerdings, damit sie als „gelegentliche“ Einnahme von Cannabis im Sinne von Nr. 9.2.2 der Anlage 4 gewertet werden können, einen gewissen, auch zeitlichen Zusammenhang aufweisen. Zu Recht geht das Berufungsgericht davon aus, dass ein Zeitablauf von mehreren Jahren zwischen zwei Rauschgifteinnahmen eine Zäsur bilden kann, die bei der fahrerlaubnisrechtlichen Einordnung des Konsums einen Rückgriff auf den früheren Vorgang verbietet. Ob eine solche relevante Zäsur zwischen den einzelnen Konsumakten anzunehmen ist, ist nach den konkreten Umständen des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen. Die schematische Festlegung von Zeiträumen verbietet sich."
    Das kann man einer Behörde als Definition für einen gelegentlichen Konsum mitschicken.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Ingrid (Samstag, 20. Februar 2021 22:45)

    Hallo nochmal,
    eine Nachfrage hätte ich noch bitte. Was bedeutet, dass die Konsumvorgänge einen gewissen, auch zeitlichen Zusammenhang aufweisen müssen? Mein Konsum am letzten Wochenende hat doch nichts mit meinem Konsum an Weihnachgten zu tun. Was ist das für ein Zusammenhang?
    Ingrid

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 20. Februar 2021 22:47)

    Hallo Ingrid,
    der zeitliche Zusammenhang meint, dass zwischen zwei Konsumvorgängen ein zeitlicher Zusammenhang bestehen muss, ohne dass der Relevanzzusammenhang unterbrochen wird. Das heißt, wenn Sie mit 17 Jahren einmal Cannabis probiert haben und nun nach vielleicht 20 Jahren das nächste Mal konsumieren, besteht da kein zeitlicher Zusammenhang mehr. Es liegen dann zwei Konsumvorgänge vor, aber die liegen zeitlich so weit auseinander, dass ein gelegentlicher Konsum zu verneinen ist. Allerdings geht die Rechtsprechung auch bei Zeitabständen von mehreren Jahren zwischen den Konsumvorgängen von regelmäßigem Konsum aus. Es gibt da keine festgesetzten starren Grenzen, sondern das Bundesverwaltungsgericht stellt immer auf die konkreten Umstände des Einzelfalles. Das ist so schwammig, wie es sich anhört und es kommt schon vor, dass Gerichte einen zeitlichen Zusammenhang bei Konsumvorgängen bejahen, die 5 Jahr auseinanderliegen!!
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Martin (Sonntag, 21. Februar 2021 18:01)

    Sehr geehrte Frau Fischer,

    Ich wurde am 04.11.20 im Rahmen einer Allgemeinen Straßenverkehrskontrolle in der unmittelbaren Nähe meiner Wohnung angehalten. Der Beamte sagte mir das ich auf ihn nervös wirke und hat nach den Koordinationstests um eine Urinprobe gefordert, welche positiv auf THC anschlug. Es folgte eine Blutuntersuchung.
    Der Bußgeldbescheid wurde mir am 20.02.21 zugestellt, Zitat: „Sie führten das Kraftfahrzeug unter Wirkung eines berauschenden Mittels“ 13ng/ml Tetrahydrocannabinol, 10ng/ml 11-OH-THC und ca. 260ng/ml THC-COOH.
    Daraus resultiert eine Geldbuße von 500 Euro und 1 Monat Fahrverbot.

    Am 12.01.21 hat mich der gleiche Polizist im Rahmen einer Straßenverkehrskontrolle angehalten, wieder unmittelbar nach dem ich von meinem Wohnort ins Auto gestiegen bin und los fuhr. Er fragte lediglich ob ich schon mal mit der Polizei was zu tun hatte. Kurz darauf folgte wieder ein Koordinationstest und eine Blutuntersuchung. Die Ergebnisse dazu liegen mir noch nicht vor.

    Ich bin in einer ländlichen Gegend wohnhaft und somit auf den Führerschein angewiesen. Ich verstehe natürlich das der Konsum von Canabis und das führen eines Fahrzeugs nicht vereinbar sind. Sollte ich die Fahrerlaubnis vollständig verlieren, so wäre das für mich beruflich existents-gefährdend.

    In wie weit kann ich hier den Schaden im Rahmen halten?
    Ich habe große Sorge das neben der Bußgeldanordnung das Straßenverkehrsamt mir die Fahrerlaubnis entziehen wird.

    Gibt es bei der Sachlage eine Empfehlung die Sie aussprechen können?
    Ich wäre bereit zB jeden Monat einen Drogentest zu machen um den Entzug der Fahrerlaubnis abzuwenden.

    Ich habe den Eindruck das es nicht gerade ein Zufall war, dass der gleiche Polizist mich beide male direkt nach dem los fahren angehalten hat. Insbesondere nachdem ich bei der zweiten Kontrolle direkt gefragt wurde ob ich schon mal mit der Polizei zu tun hatte.

    Über eine Einschätzung oder einen Rat, würde ich mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Martin

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 23. Februar 2021 10:17)

    Hallo Martin,
    da sehe ich bei Ihnen leider mehrere Baustellen. Zunächst haben Sie einen THC-COOH-Wert von 260 ng/ml. Die Fahrerlaubnis wird bei regelmäßigen Konsum entzogen und zwar ohne weitere Maßnahmen wie eine MPU oder ein ärztliches Gutachten. Ab einem THC-COOH-Wert von 150 ng/ml ist aber schon von einem regelmäßigen Konsum auszugehen. Ich gehe ganz stark davon aus, dass allein aufgrund Ihres Wertes von 260 ng/ml THC-COOH (und damit deutlich über 150 ng/ml) die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis entziehen wird.
    Dann wurden Sie ja innerhalb kurzer Zeit auch zweimal überprüft. Sie machen keine Angaben, ob Sie weiter Cannabis konsumiert haben, aber wenn Sie wieder positiv auf Cannabis getestet wurden, insbesondere der aktive THC-Wert bei 1,0 ng/ml oder darüber lag, kann möglicherweise auf dieser Grundlage die Fahrerlaubnis entzogen werden. Eine MPU wird nach der neuen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts erforderlich, wenn jemand erstmalig mit Cannabis im Straßenverkehr auffällig wird. Dies dürfte noch umstritten sein, dass Sie aber zweimalig womöglich berauscht angetroffen wurden, verbessert die Lage erstmal nicht. Hauptsächlich wird aber der hohe THC-COOH-Wert ausschlaggebend sein. Berücksichtigt wird dabei Ihre persönlich und berufliche Situation eher nicht, da im Rahmen einer Abwägung die Sicherheit von Leib, Leben und Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer vorgeht. Falls Sie etwas von der Fahrerlaubnisbehörde bekommen, wenden Sie sich doch noch einmal an mich. Mein aktueller Rat ist in jedem Fall: stellen Sie Ihren Cannabiskonsum komplett ein.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Hans (Dienstag, 23. Februar 2021 10:37)

    Guten Tag,
    wenn ich gelegentlich kiffe, aber immer darauf achte, dass ich beim Autofahren soviel Pause vorher hatte, dass ich unter einem Wert von 1,0 ng/ml THC liege, weise ich damit doch nach, dass Trennungsvermögen habe. Und konsumieren, aber mit Trennen, ist doch erlaubt. Dann können die doch gar nichts machen oder fällt denen dann noch was ein?
    Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 23. Februar 2021 11:01)

    Hallo Hans,
    zu dem Thema gibt es allerlei (unterschiedliche) Rechtsprechung. Für eine MPU-Anordnung muss zunächst gelegentlicher Konsum vorliegen und weitere Eignungszweifel. Es müssen also weitere Tatsachen vorliegen, die begründete Zweifel an der Fahreignung zulassen. Die sogenannten Zusatztatsache muss aber nicht immer das fehlende Trennungsvermögen sein. Das können auch mal Auffälligkeiten bei der Verkehrskontrolle sein. Also am Besten nicht die Finger-Nasen-Kontrolle machen oder eine gedachte Linie entlanglaufen, wenn der Polizist das möchte. Auch ein Tremor oder eine festgestellte verzögerte Pupillenraktion können Zusatztatsachen sein und dann will die Fahrerlaubnisbehörde auch schon mal eine MPU. Die Rechtmäßigkeit einer solchen MPU-Anordnung wurde auch schon von der Rechtsprechung bestätigt.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Paul (Dienstag, 23. Februar 2021 14:17)

    Guten Tag,
    reicht bei Cannabis auf Rezept ein ärztliches Attest? Oder kann mir dann eine MPU drohen? Ich gehe davon aus, dass mein Arzt mich am besten kennt, da er mich schon jahrelang behandelt. Ich möchte gerne eine MPU vermeiden.
    Grüße und Danke!

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 23. Februar 2021 14:40)

    Hallo Paul,
    mit Medizinalcannabis tun sich die Fahrerlaubnisbehörden sehr schwer, weil die Möglichkeit sich Cannabis verschreiben zu lassen erst seit 2017 besteht. Ein ärztliches Attest Ihres behandelnden Arztes wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um Ihre Fahreignung zu belegen. Zum eine verfügt Ihr behandelnder Arzt vermutlich nicht über fachärztliche verkehrsmedizinische Qualifikation. Zum anderen ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung davon auszugehen, dass der behandelnde Arzt wegen des bei ihm anzunehmenden Interessenkonflikts nach § 11 Abs. 2 Satz 5 FeV in aller Regel nicht dazu berufen ist, sich zur Frage der Fahreignung einer Person zu äußern. Möglichweise wird die Fahrerlaubnisbehörde dann ein ärztliches Gutachten anordnen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Tamo (Dienstag, 23. Februar 2021 14:46)

    Guten Tag,
    ich nehme jeden Tag von meinem Arzt verschriebenes Cannabis ein. So gesehen bin ich Dauerkonsument. Darum sind meine THC-Werte natürlich hoch. Wenn ich nun ein ärztliches Gutachten bestehe und ich als fahrgeeignet eingestuft werde, muss ich dann immer wieder mit einem Gutachten nachweisen, dass das so ist. Und in welchen Abständen, halbjährlich, jährlich oder länger?
    Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 23. Februar 2021 14:59)

    Hallo Tamo,
    ein Gutachten kann durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur bedingt Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen besteht, d.h. dass der Betroffene uneingeschränkt die geforderten Bedingungen erfüllt, um von einer sicheren Verkehrsteilnahme trotz der Einnahme von Medizinalcannabis auszugehen ist. Dann gibt es auch kleine Anordnung für eine Nachuntersuchung. Die Rechtsprechung, hier Verwaltungsgericht Düsseldorf 2019, sagt dazu Folgendes:
    "Die Kammer verkennt in diesem Zusammenhang nicht, dass die dauerhaften Auswirkungen der Einnahme von Medizinalcannabis auf die Leistungsfähigkeit des Klägers noch nicht absehbar sind, es insbesondere noch zu einer fahreignungsrelevanten nachteiligen Veränderung seiner verkehrsbedeutsamen Leistungsfunktion kommen kann. Indes dienen Auflagen nach § 23 Absatz 2 Satz 1 FeV nicht allein der Vorsorge. Vielmehr ist zu berücksichtigen, dass unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten ein gewisses Restrisiko in Kauf zu nehmen ist, da jeder Verkehrsteilnehmer zumindest potentiell das Risiko in sich trägt, plötzlich am Steuer eine gravierende Gesundheitsstörung zu erleiden, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt."
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Martin (Mittwoch, 24. Februar 2021 15:27)

    Hallo Frau Fischer,

    zunächst einmal vielen Dank für Ihre Antwort.

    Mein Cannabis Konsum habe ich sukzessiv Anfang Januar abgebaut.
    Ich befürchte das wird sich bei der zweiten Kontrolle nicht positiv bemerkbar machen. Vollständig abstinent bin seit Ende Januar 21, in wenigen Tagen also einen Monat lang.

    Sobald mir eine Mitteilung von der Fahrerlaubnisbehörde vorliegt, schreibe ich Ihnen gerne noch mal.

    Nochmals, vielen Dank für Ihre Antwort und Einschätzung.

    Viele Grüße,
    Martin

  • Thomas (Donnerstag, 25. Februar 2021 02:48)

    Guten Tag,
    Ich habe vor einer Woche einmal ca 0,3 gramm geraucht. Nun wurde ich heute bei einer Polizeikontrolle gebeten mit meinen Augen einem Stift zu folgen und anschließend wurden meine Pupillen getestet. Der Polizist sagte beide Tests fielen sehr schlecht aus. Der Puppillentest war vermutlich schlecht, da ich an Pollenallergie leide. Einen Urintest verweigerte ich. Nach dem Bluttest musste ich noch die üblichen Tests, wie Fingerspitze auf die Nase legen, machen. Hierbei Schnitt ich jedoch sehr gut ab. Zuerst wollte ich Fragen ob sie die THC Blutwerte grob abschätzen können. Anschließend wollte ich noch wissen ob mir der zweite Test nach der Blutabnahme zugute kommt, oder ob der erste Test vor dem Polizisten nachteilig auf mich wirkt.

  • Rechtsanwältin Fischer (Donnerstag, 25. Februar 2021 13:33)

    Guten Tag, Thomas,
    ich weiß nicht, ob Sie vor einer Woche erstmalig und nur einmal konsumiert haben oder ob sie zuletzt vor einer Woche konsumiert haben und ggf. in welcher Frequenz zuvor. Ich gehe (ohne Gewähr) davon aus, dass kein aktives THC (über dem Grenzwert) mehr feststellbar ist. Die THC-COOH-Werte müssen Sie abwarten. Zu den Tests der Polizeibeamten bzw. beim Arzt bei der Blutabnahme: Sie haben eine Duldungspflicht (sich Blut abnehmen zu lassen), aber keine Mitwirkungspflicht, so dass die Test nicht absolvieren müssen. Bitte nächstes Mal verweigern. Da die Polizeibeamten die Ergebnisse der Tests sicherlich protokolliert haben, kommen sie in Ihre Führerscheinakte und sind von der Fahferlaubnisbehörde verwertbar. Ich vermute aber, dass Sie THC-Werte unterhalb des Grenzwertes haben (unter 1 ng/ml), so dass ein Verstoß gegen das Trennungsgebots ihrerseits nicht vorliegt. Sollte die Fahrerlaubnisbehörde eine Maßnahme anordnen, sollten Sie sich damit nochmal melden (das muss nicht rechtsmäßig sein).
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Adriano (Sonntag, 28. Februar 2021 21:31)

    hi ich bin adriano, ich spreche kein gutes deutsch, die polizei hat mich 1.1 und 3.4 cooh in meinem blut gefunden, ich hatte nicht geraucht, aber ich habe mein zimmer 5 monate lang mit einem Cannabisraucher geteilt, das kann ich vermeiden ein mpu macht eine haaranalyse? Ich wurde noch nie während der Fahrt unter Drogen gesetzt. Ich möchte eine Haaranalyse durchführen, bei der der Richter beurteilen kann, dass ich kein Cannabiskonsument bin
    Dein

  • Robin (Dienstag, 02. März 2021 05:20)

    Hallo Frau Fischer,
    Erstmal vielen Dank das Sie hier permanent so freundliche Auskunft geben.
    Mein Fall :
    Ich rauche regelmäßig, zum einschlafen gegeben durch die Nachtschicht.
    Meine Mengen beziehen sich dafür aber auf ein minimum, heißt in aller Regel 2gramm/Monat - aber dennoch nahezu täglich.

    Ich wurde in den letzten 6 Monaten 2 mal angehalten. Beide Male mit Speicheltest - beide Male negativ und ich durfte ohne irgendwelche Folgen weiter fahren. Beide Male habe ich -allerhöchstens- 5 bis 6 Stunden zuvor geraucht (in meinen Augen ein sehr kurzes Zeitfenster?).

    Nun, gerade eben, wurde ich das dritte Mal angehalten
    (eigentlicher Grund, ich fuhr
    langsam - kam zu stande da ich
    nichtmal einen Kilometer vonder
    Wohnung entfernt war, der Motor
    kalt war und ich demnach
    langsam beschleunigte)
    Der letzte Konsum fand am Abend zuvor (etwa 7 Stunden vor der Kontrolle) statt. Leider von einem Kollegen und dadurch eine höhere Menge als von mir selbst.

    Speicheltest - war "minimal" positiv. Ich wurde die typischen Fragen gefragt - alles verneint, nie etwas genommen. Dann kam die Frage ob jemand im Umkreis konsumiert - ich sagte das dass ganze Wohnhaus raucht - unter anderem im Treppenhaus (wahr).

    Urin test wurde gefordert - gleiches Ergebnis, minimales ausschlagen (ich habe es selbst sehen dürfen).

    Also ab zur wache - Bluttest...
    Auffällig waren wohl meine Pupillen, das ist jedoch jedesmal so und auch in jedem Zustand betrachtbar.

    Die größte Frage,

    -wann sollte ich (spätestens) zum Anwalt?-

    Ich schließe morgen noch eine Rechtsschutzversicherung ab, safety first.

    Führerschein ist leider auch für mich essenziell, Konsum wird selbstverständlich nun eingestellt und auffällig war ich sonst auch noch nie.

    Wenn ich über 1ng/ml thc bin, ist das dann eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat? Anders - ist der Führerschein sofort weg, oder eben nur Fahrverbot ect?

    Eine Stellungnahme zu meinem Fall würde mich natürlich dennoch sehr interessieren.
    Vielen recht herzlichen Dank für diese wunderbare Auskunft und Leistung von Ihnen.
    Mit besten Grüßen, Robin.

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 02. März 2021 19:57)

    Hallo Robin,
    vorab erstmal: erstaunlich, dass bei den ersten beiden Kontrollen so gar kein THC festgestellt werden konnte und insbesondere, dass Sie in so kurzer Zeit dreimal kontrolliert wurden!! Haben Sie vielleicht Dreadlocks und ein paar Bob Marley-Shirts zuviel? Aber ernsthaft: für eine Straftat sehe ich anhand Ihrer Angaben keine Hinweise, eine Ordnungswidrigkeit ist möglich, wenn Sie einen (aktiven) THC-Wert von mindestens 1,0 ng/ml erreicht haben (dann gibt es auch einen Monat Fahrverbot). Davon zu trennen sind die fahrerlaubnisrechtliche Konsequenzen. Eine direkte Fahrerlaubnisentziehung ist bei der ersten Auffälligkeit im Straßenverkehr nicht möglich, aber je nachdem wie hoch der THC-Wert ist kann eine MPU angeordnet werden. Für diese Einschätzung müsste ich aber Ihre Werte kennen. Wenn Sie die haben, nochmal melden.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Andrè (Dienstag, 02. März 2021 20:12)

    Guten Abend, wieso wird einem der Führerschein 2 X entzogen.Ich kriege erst ein Fahrverbot und dann wird der Führerschein noch entzogen. Das ist ja eine Doppelbestrafung. Wie kann das sein?
    Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 02. März 2021 20:26)

    Hallo Renè,
    das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das eine betrifft das Ordnungswidrigkeitsverfahren. Hier bekommen Sie für eine Fahrt unter Cannabiseinfluss ein Bußgeld, Punkte und eben auch das Fahrverbot. Sie müssen den Führerschein abgeben und dürfen während des Fahrverbots auch nicht Autofahren. Nach Ablauf der Fahrverbotsfrist erhalten Sie dann aber den Führerschein zurück und dürfen auch wieder Fahren.
    Bei der Fahrerlaubnisentziehung nach dem Fahrerlaubnisrecht wird Ihnen die Fahrerlaubnis endgültig entzogen. Sie besitzen dann keine Fahrerlaubnis mehr. Die Fahrerlaubnis erhalten Sie auch nicht ohne Weiteres wieder, vielmehr müssen Sie einen Antrag bei der Fahrerlaubnisbehörde stellen. Was Sie für die Neuerteilung alles nachweisen müssen, legt dann die Fahrerlaubnisbehörde fest. Bei Entziehung der Fahrerlaubnis wegen Drogenkonsums muss meisten Abstinenz nachgewiesen werden und man muss eine MPU positiv bestehen, um die Fahrerlaubnis wiederzuerlangen. Die Entziehung der Fahrerlaubnis nach dem Fahrerlaubnisrecht ist also entsprechend gravierender.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Christopher (Dienstag, 02. März 2021 20:32)

    Moin,
    ich wurde gerade geblitz und bin auch deutlich zu schnell gefahren. Hab noch Einspruch eingelegt. Der Richter war auch gnädig und hat mir mehr Geldstrafe auferlegt, dafür aber das Fahrverbor verkürzt. Kam mir nur entgegen. Kann man bei der Fahrerlaubnisbehörde nicht auch so ein "Deal" machen, so dass der Führerschein nicht entogen wird?
    Danke und viele Grüße.

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 02. März 2021 20:36)

    Hallo Christopher,
    nein, da kann man nichts verhandeln. Es geht nicht um Strafe im Fahrerlaubnisrecht. Es geht um die Sicherheit von anderen Verkehrsteilnehmern. Davon kann man sich nicht "freikaufen". Entweder sind Sie fahrgeeignet (ev. bedingt fahrgeeignet) oder Sie sind nicht fahrgeeignet. Dann gibt es keine Ermessensentscheidung und die Fahrerlaubnis ist zwingend zu entziehen - Sicherheit geht vor.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 02. März 2021 20:50)

    @Adriano
    Hallo Adriano,
    Sie möchten Ihre THC-Werte mit passivem Cannabiskonsum erklären. Zunächst haben Sie zumindest recht geringe THC-Werte, was gut ist. Grundsätzlich ist es aber schwierig, mit passivem Konsum durchzudringen. Da sollten Sie sich direkt anwaltlich beraten lassen (eine Haaranalyse wird hier nicht weiterhelfen, auch da wird sich THC nachweisen lassen). Hierbei ist auch noch zu beachten, dass teilweise von den Gerichten eine unwissentliche oder unwillentliche Aufnahme von Cannabis gefordert wird. Ziemlich abstrus, aber damit muss man sich auseinandersetzen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Ralf (Dienstag, 02. März 2021 21:06)

    Guten Abend,
    wie nehme ich denn unwissentlich bzw. unwillentlch THC auf. Also wenn ich auf einer Party bin, draußen sind -3 drei Grad, meine Freunde haben auch nur eine kleine Bude und dann wird da gekifft. Die Luft steht dann! Dann weiß ich das ja, aber ich will das nicht. Und was passiert dann wegen meines Führerscheins?
    Danke

  • Rechtsanwältin Fischer (Dienstag, 02. März 2021 21:12)

    Guten Abend, Ralf,
    ja, genau das ist schwierig. Wenn Sie wissen, dass auf einer Party Cannabis konsumiert wird und Sie dadurch in einem Nebel von Rauch stehen, wird Ihnen das angelastet. Der Verwaltungsgerichtshof-Baden-Württemberg macht das in einer Entscheidung sehr deutlich, darin heißt es:
    "Die rechtliche Erwägung, das bloße Passivrauchen von Cannabis sei im Hinblick auf das Zusatzelement des unzureichenden Trennungsvermögens anders zu bewerten als der aktive Konsum dieses Betäubungsmittels, beruht auf der Überlegung, dass bei einem lediglich passiven Cannabiskonsum dieser dem Betroffenen weniger angelastet werden kann, weil er sich der oralen oder inhalativen Aufnahme der psychoaktiv wirkenden Substanz Tetrahydrocannabinol unter Umständen nicht bewusst war. Diesem Fahrerlaubnisinhaber kann nicht ohne weiteres vorgehalten werden, er sei in charakterlich-sittlicher Hinsicht zum Führen eines Kraftfahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr ungeeignet, weil er in Kenntnis des Cannabiskonsums und der dadurch bedingten Möglichkeit der Beeinträchtigung seiner fahreignungsrelevanten Eigenschaften und der erheblichen Gefährdung hochrangiger Rechtsgüter anderer Verkehrsteilnehmer ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr geführt und damit das vorrangige öffentliche Interesse an der Sicherheit des Straßenverkehrs den eigenen Interessen untergeordnet habe. Diese Besserstellung ist im Fall des Antragstellers im Hinblick auf seine Darstellung der Aufnahme von Cannabis am 06.04.2003 aber nicht gerechtfertigt. Denn wird die Schilderung des Antragstellers zugrunde gelegt, war sich der Antragsteller der erheblichen inhalativen Aufnahme von Cannabis durchaus bewusst. Nach eigener Darstellung hat er sich immerhin zwei Stunden (ca. 3.45 bis 5.45 Uhr) in einem kleinen, umschlossenen und dunklen Nebenraum der Techno-Veranstaltung („chill-out-Raum“) aufgehalten, in dem ca. 100 Personen über die ganze Zeit hinweg in erheblichem Umfang Cannabis konsumiert haben. Viele der Konsumenten hätten dicht um ihn herum gesessen und aktiv Cannabis konsumiert, der „chill-out-Raum“ sei von dicken Cannabis-Nebelschwaden durchzogen gewesen. Ein Fahrerlaubnisinhaber, der wie der Antragsteller, nicht erstmals mit Cannabis in Berührung kommt, sondern zumindest gelegentlicher Konsument dieses Betäubungsmittels ist, muss sich aber darüber im Klaren sein, dass er sich durch einen zweistündigen Aufenthalt in einer sehr stark cannabishaltigen Atmosphäre allein durch das Einatmen der mit Cannabis durchsetzten Luft eine erhebliche Menge von Cannabinoiden zugeführt hat. Auch ein Fahrerlaubnisinhaber, der in solcher Kenntnis der erheblichen inhalativen Aufnahme von Cannabinoiden durch den Aufenthalt in einer stark cannabishaltigen Atmosphäre ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr führt und damit den öffentlichen Straßenverkehr gefährdet, ist wegen seiner unzureichenden Trennungsbereitschaft fahrungeeignet."

    Am Ende alles eine Frage des Einzelfalles, aber der Vortrag des Passivkonsum ist kein Selbstgänger.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

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