Simone Fischer Rechtsanwältin
Simone FischerRechtsanwältin

Cannabis im Straßenverkehr und MPU

Das Bundesverwaltungsgerichturteil vom 11.04.2019 (BVerwG Az.: 3 C 13.17 hier nachzulesen...) kippt die gerichtliche Praxis, nach der eine Fahrerlaubnisentziehung bei einem gelegentlichen Konsumenten bereits bei seiner ersten Fahrt unter THC-Einfluss über dem Grenzwert möglich war. Wer also in eine Verkehrskontrolle geraten ist und dann bei einer Blutentnahme einen aktiven THC-Wert von über 1 ng/ml wurde der Führerschein entzogen. Dies ist nun nicht mehr so einfach möglich. Im Leitsatz der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts heißt es:

 

Leitsatz:

"Bei einem gelegentlichen Konsumenten von Cannabis, der erstmals unter einer seine Fahrsicherheit möglicherweise beeinträchtigenden Wirkung von Cannabis ein Kraftfahrzeug geführt hat, darf die Fahrerlaubnisbehörde in der Regel nicht ohne weitere Aufklärung von fehlender Fahreignung ausgehen und ihm unmittelbar die Fahrerlaubnis entziehen. In solchen Fällen hat sie gemäß § 46 Abs. 3 i.V.m. § 14 Abs. 1 Satz 3 FeV nach pflichtgemäßem Ermessen über die Einholung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zu entscheiden."

 

Dies ist natürlich erfreulich, denn die Fahrerlaubnis darf nun nicht wie früher unmittelbar bei der ersten Fahrt unter THC-Einfluss entzogen werden, sondern der Betroffene erhält die Möglichkeit, trotz des Verstoßes seine Fahreignung mittels einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) nachzuweisen. Seitdem nun die direkte Entziehung der Fahrerlaubnis aufgrund der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts nicht mehr möglich ist, ordnen die Fahrerlaubnisbehörden aber refelexartig eine MPU an. Die MPU-Anordnung ist aber auch in solch gelagerten Fällen nicht stets rechtmäßig.

 

Vielmehr müssen für die rechtmäßige Anordnung einer MPU durch die Fahrerlaubnisbehörde weitere Voraussetzungen vorliegen. Die Fahrerlaubnisbehörden tun sich allgemein bereits sehr schwer eine rechtmäßige MPU-Anordnung hinzubekommen. Die Mehrzahl der Anordnungen, die ich von Mandanten vorgelegt bekomme, sind fehlerhaft, also formal und/oder materiell rechtswidrig. Die nun aufgrund der Entscheidung des Bundesverwaltunngsgerichts ergangenen MPU-Anordnungen erfolgen aber allein mit dem Hinweis auf den Cannabiskonsum im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr.

 

Nun muss aber für eine MPU-Anordnung gelegentlicher Cannabiskonsum vorliegen (dies steht auch genauso im Leitsatz der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts: "Bei einem gelegentlichen Konsumenten von Cannabis..."). Zudem muss der gelegentliche Konsum von Cannabis von der Fahrerlaubnisbehörde nachgewiesen werden (dazu mehr unter "Vermeidung des Führerscheinsentzugs beim Konsum von Cannabis").

 

In einem kürzlichen bearbeiteten Fall von mir wurde von einem Mandanten von der Fahrerlaubnisbehörde eine MPU angefordert. Mein Mandant hatte bis dahin keinerlei Angaben zu seinem Konsummuster gemacht, also wie oft er in der Vergangenheit Cannabis konsumiert.

 

Ich wies die Fahrerlaubnisbehörde in einem Schreiben darauf hin, dass der für eine MPU-Anordnung erforderliche gelegentliche Konsum bei meinem Mandanten nicht vorliegt, da er erst ein einziges Mal konsumiert hat. Und hinsichtlich des gelegentlichen Konsums ist die Fahrerlaubnisbehörde voll beweispflichtig. Für den Nachweis muss zweifelsfrei feststehen, dass mehr als einmal  Cannabis konsumiert wurde.

 

Das konnte die Fahrerlaubnisbehörde nicht nachweisen. Stattdessen versuchte sie einen "Kunstgriff" anzuwenden, den auch die Verwaltungsgerichte in verschiedenen Bundesländern bemühen: Verwaltungsgerichte (je nach Bundesland) reicht die einfache Behauptung des einmaligen Konsums  nicht aus. Dass einmaliger Probierkonsum von Cannabis fahrerlaubstechnisch keine Folgen hat, hat sich natürlich rumgesprochen. Das hat dann aber zur Folge, das jeder (erwischte) Cannabiskonsument mal schnell behauptet, das er (ganz, ganz ehrlich) nur einmal in seinem Leben Cannabis probiert hat. So wollen sich die Verwaltungsgerichte natürlich nicht an der Nase rumführen lassen. Sie verlangen daher, dass die Umstände des behaupteten Erstkonsum konkret und glaubhaft dargelegt werden. Es reicht also nicht aus einfach zu behaupteten, dass Sie lediglich ein einziges Mal Cannabis konsumiert haben, sondern Sie müssen Einzelheiten des fraglichen Drogenkonsums darlegen (mehr dazu unter "Vermeidung des Führerscheinsentzugs beim Konsum von Cannabis").

 

Die Rechtsprechung begründet dies ganz einfach damit, dass es äußerst unwahrscheinlich sei, dass
1. ein Erstkonsument kurz nach der Drogeneinnahme bereits wieder ein Kraftfahrzeug führt und

2. er gerade nach diesem (einmaligen) Erstkonsum auch noch in eine Polizeikontrolle gerät.

 

Ich persönlich halte dies Vorgehen für gesetzeswidrig. Die Behauptung der "Unwahrscheinlichkeit" ist völlig aus der Luft gegriffen und wäre zunächst mathematisch zu beweisen. Nichtsdestotrotz beruhen die Entscheidung verschiedener Verwaltungsgericht auf dieser Annahme.

 

Ich konnte den einmaligen Probierkonsum meines Mandanten aber problemlos darlegen. Die Fahrerlaubnisbehörde tat dies als reine Schutzbehauptung ab und entzog den Führerschein. Da blieb nur noch die Klage beim Verwaltungsgericht, dass die Fahrerlaubnisentziehung tatsächlich aufhob. Mein Mandant konnte seinen Führerschein behalten. Für Interessierte ist das Urteil hier nachzulesen...

 

Ganz folgenlos ist eine Fahrt unter Cannabiseinfluss aber natürlich nicht. Es kann zur Feststellung des Konsummusters (also wenn gelegentlicher Cannabiskonsum nicht nachgewiesen werden kann) ein ärztliches Gutachen angeordnet werden. Ein ärztliches Gutachten ist aber im Vergleich zur MPU ein beträchtlich geringerer Eingriff, deutlich weniger umfangreich (und erheblich kostengünstiger). Gegen eine (rechtswidrige) MPU-Anordnung vorzugehen lohnt sich daher, wenn Sie Ihren Führerschein behalten wollen.

Kommentar schreiben

Kommentare

  • Karla (Mittwoch, 21. Oktober 2020 22:12)

    Guten Abend,
    habe grad eine MPU aufgedrückt bekommen. Es hat mich geärgert, dass die mich darin als gelegentlichen Konsumenten beschreiben. Woher wollen die das wissen. Habe nicht gemerkt, dass mir die ganze Zeit einer von der FSSt auf dem Schoß saß. Da möchte ich gerne was gegen unternehmen.
    Danke für Antworten und Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 21. Oktober 2020 22:19)

    Hallo Karla,
    wenn Sie keinerlei Aussagen gemacht haben und Sie in der Vergangenheit nicht bereits mit Cannabiskonsum auffällig geworden sind, kann die Fahrerlaubnisbehörde natürlich nicht einfach behaupten, dass Sie gelegentlich Cannabis konsumieren. Grundsätzlich hat die Behörde eine Gelegentlichkeit von Cannabiskonsum als Tatbestandsvoraussetzung von Nr. 9.2.2 Anlage 4 FeV nachzuweisen, also auch bei der Anordnung der MPU bei fehlendem Trennungsvermögen, und zwar zweifelsfrei.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Michael (Freitag, 20. November 2020 14:45)

    Hallo,
    erstmal super, dass Sie hier Fragen beantworten!!
    Ich habe nun ne MPU bekommen. Ich bin wenig begeistert und will das eigentlich verhindern. Und ich wurde erst einmal erwischt, bei einer Polizeikontrolle. Meine Werte waren auch nicht wirklich hoch. Wie gesagt, MPU will ich verhindern, davon habe ich nichts gutes gehört.
    Gruß

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 20. November 2020 14:49)

    Hallo Michael,
    ich sehe keinen Grund, warum man in Ihrem Fall nicht einmaligen Probierkonsum darlegen können sollte. Dann wäre eine MPU meines Erachtens rechtswidrig. Das Problem ist dabei nur, dass keine Rechtsmittel gegen die Anordnung einer MPU bestehen. Die (Un-)Rechtsmäßigkeit kann man erst im Rahmen der Fahrerlaubnisentziehung überprüfen lassen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Lisa (Freitag, 20. November 2020 16:21)

    Guten Tag,
    wenn ich noch niemals erwischt worden bin und das jetzt aber bei einer Kontrolle doch passieren sollte, können die mir nicht den Führerschein entziehen? Dann kann ich ja jetzt soviel konsumieren, wie ich will und muss erst aufpassen, wenn einmal was passiert ist.
    Danke
    Lisa

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 20. November 2020 16:37)

    Hallo Lisa,
    so ist es jetzt auch nicht. Vorweg: ich will hier nicht zum Moralapostel werden, aber grundsätzlich geht massiver Drogenkonsum und Teilnahme am Straßenverkehr nicht zusammen. Ich finde die Maßstäbe der Behörden und Verwaltungsgerichte bei Konsum von Cannabis nicht angemessen, aber völlig bekifft am Straßenverkehr teilnehmen kann ich nicht gutheißen, weil das möglicherweise andere Personen gefährdet. So, jetzt zum Juristischen: Soviel Cannabis konsumieren "wie Sie wollen" kann unter Umständen direkt zu einer Fahrerlaubnisentziehung führen: wenn Sie nämlich so umfangreich konsumieren, dass Ihre THC-Werte im Blut sehr hoch sind. Die Verwaltungsgerichte gehen teilweise bei THC-COOH-Werten von 100 ng/ml, andere Gerichte bei Werten von 150 ng/m von regelmäßigem Konsum (also täglichen oder nahezu täglichen Konsum) aus. Bei Werten über 150 ng/ml ist dann aber auch tatsächlich von täglichen Konsum auszugehen. Und regelmäßiger Konsum führt direkt zu Fahrerlaubnisentziehung. Die THC-Werte darunter lassen allenfalls auf gelegentlichen Konsum schließen oder eben nur auf einmaligen Probierkonsum. Dann soll nach der neuen Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht tatsächlich nicht mehr eine direkte Fahrerlaubnisentziehung möglich sein, sondern die Anordnung einer MPU (und meines Erachtens auch keine MPU, wenn einmaliger Konsum vorliegt).
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Kerstin (Montag, 30. November 2020 17:10)

    Guten Tag,
    ich bin bei einer Verkehrskontrolle rausgewunken worden. Die wollten dann gleich einen Urintest, habe ich abgelehnt. Dann haben die mich mitgenommen und einen Bluttest gemacht. Ich habe mir schon gedacht, das der Test positiv auf THC ausfällt, ist er dann auch. Also habe ich mich mich auf eine MPU eingestellt. Jetzt habe ich aber eine Fahrerlaubnisentziehung! Meine Werte sind 5,5 ng/ml THC, 28,5 ng/ml THC-COOH, BAK 0,6 Promille. Ich bin das erste Mal erwischt worden, muss es da nicht eine MPU oder ein ärztliches Gutachten geben?
    Grüße

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 30. November 2020 17:23)

    Guten Tag Kerstin,
    Ihre THC-Werte sprechen für die Anordnung einer MPU oder eines ärztlichen Gutachtens. ABER: Sie hatten zusätzlich zum Cannabis Alkohol konsumiert. Grundsätzlich führt nicht jeder Beikonsum von Alkohol eines gelegentlichen Cannabiskonsumenten zum Wegfall seiner Fahreignung. Die Feststellung der Regelbewertung der Nr. 9.2.2 der Anlage 4 zur FeV, dass der gelegentliche Cannabiskonsum mit zusätzlichem Gebrauch von Alkohol zum Verlust der Fahreignung führt, setzt nämlich einen Mischkonsum voraus, der eine kombinierte Rauschwirkung zur Folge haben kann (BVerwG, U.v. 14.11.2013 - 3 C 32.12).
    Bei Ihnen wurden aber ein Mischkonsum von Alkohol und Cannabis nachgewiesen wurde, der zu einer kombinierten Rauschwirkung führte. Bei gelegentlichen Konsum von Cannabis mit Mischkonsum von Alkohol wird ohne Weiteres die Fahrerlaubnis entzogen. Da kann ich leider keine erfreulichere Auskunft geben.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Maximilian (Montag, 30. November 2020 19:28)

    Hallo,
    ich habe eine MPU bekommen. Jetzt befürchtete ich, dass ich die nicht bestanden habe. Die Frist zur Abgabe läuft auch bald ab. Was passiert, wenn ich die negative MPU einfach nnicht abgebe?
    Grüße und Dank von Max

  • Rechtsanwältin Fischer (Montag, 30. November 2020 19:40)

    Hallo Max,
    einfach Kopf im Sand stecken hilft jetzt nicht weiter. Im Übrigen müsste in der MPU-Anordnung, die Sie erhalten haben, ausdrücklich die Folgen der Nichtvorlage der MPU erklärt werden: wird das medizinisch-psychologische Gutachten nicht fristgerecht bei der Fahrerlaubnisbehörde vorgelegt, kommt es zur Ungeeignetheitsvermutung des § 11 Abs. 8 FeV: Weigert sich der Betroffene, sich untersuchen zu lassen, oder bringt er der Fahrerlaubnisbehörde das von ihr geforderte Gutachten nicht fristgerecht bei, darf sie bei ihrer Entscheidung auf die Nichteignung des Betroffenen schließen. Es wird dann also einfach unterstellt, dass Sie fahrungeeignet sind. Der Schluss auf die Nichteignung gemäß § 11 Abs. 8 FeV ist allerdings nur zulässig, wenn die Anordnung des Gutachtens formell und materiell rechtmäßig, insbesondere anlassbezogen und verhältnismäßig ist. Das ist der entscheidende Ansatzpunkt: eine Vielzahl von MPU-Anordnungen sind gerade nicht rechtmäßig. Die Fahrerlaubnisbehörden tun sich enorm schwer mit einer rechtmäßigen Gutachtensanforderung. Ist Anforderung aber rechtswidrig, ist es die darauf beruhende Fahrerlaubnisentziehung auch. Also schnellstens die MPU-Anordnung prüfen lassen, viel Glück!
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Mark (Samstag, 26. Dezember 2020 14:11)

    Moin,
    ich habe das so verstanden, das ich nach Bundesverwaltungsgericht jetzt eine MPU machen muss, wenn ich beim Fahren mit THC erwischt werde. Ist damit alles klar? Kann man trotzdem noch auf Sachen achten, wenn man kifft? Oder ist THC gleich immer MPU?
    Danke
    Mark

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 26. Dezember 2020 16:10)

    Hallo Mark,
    jegliche festgestellte THC-Werte bedeuten nicht immer, dass Sie eine MPU machen müssen. Zunächst sind natürlich die THC-Werte von Bedeutung. Im schlechten Fall: bei Werten von 100 ng/ml THC-COOH wirds häufig schwer, denn je nach Bundesland ist damit für die Gerichte regelmäßiger Konsum gegeben, womit der Führerschein entzogen wird (auch ohne MPU). Bei Werten von 150 ng/ml THC-COOH ist in allen Bundesländern regelmäßiger Konsum nachgewiesen und damit wird der Führerschein eben entzogen.
    Interessant sind andere Fälle mit niedrigen THC-Werten: wenn z.B. der aktive THC-Wert unter 1,0 ng/ml liegt. Dann müssen für eine MPU-Anordnung neben gelegentlichem Konsum weitere Eignungszweifel vorliegen (fehlendes Trennungsvermögen hat sich gerade nicht bestätigt). Die Fahrerlaubnisbehörden ordnen dann meist nur eine MPU an ohne weitere Eignungszweifel zu benennen, was die MPU-Anordnung rechtswidrig macht.
    Letztlich kann auch bei Werten über 1 ng/ml (aktiven) THC (aber THC-COOH-Werten unter 100 ng/ml bzw. 150 ng/ml) einmaliger Probierkonsum vorliegen. Auch das rechtfertigt keine MPU-Anordnung, sonder nur ein (deutlich weniger umfangreiches) ärztliches Gutachten.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Fabian (Samstag, 26. Dezember 2020 16:19)

    Guten Tag Frau Fischer,
    ich habe hier viele tolle Infos und Antworten gefunden, vielen Dank dafür.
    Ich bin mir sicher, dass ich nie so hohe THC-Werte habe, wie beim regelmäßigen kiffen. Ich kiffe selten und wenn nur am Wochenende. Das bedeutet dann aber schon mal sicher eine MPU? Ich bin mir da mit den THC-Werten nicht so sicher und ob das richtig verstanden habe...

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 26. Dezember 2020 16:27)

    Gutan Tag, Fabian,
    nach § 14 Abs. 1 Satz 3 FeV kann die Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens angeordnet werden, wenn gelegentliche Einnahme von Cannabis vorliegt und weitere Tatsachen Zweifel an der Eignung begründen. Gelegentlicher Cannabiskonsum ist anzunehmen, wenn Cannabis mindestens zweimal in voneinander unabhängigen Konsumakten eingenommen wurde.
    Also ist eine Anordnung bei einmaligen Probierkonsum nicht rechtmäßig (weil dann kein gelegentlicher Konsum nachgewiesen ist). Und neben dem gelegentlichen Konsum von Cannabis müssen dann noch weitere Eignungszweifen vorliegen. Das ist z.B. bei Werten über 1,0 ng/ml (aktiven) THC gegeben, da dann das Trennungsvermögen nicht vorliegt. Also gibt es durchaus mehrere Varianten, die trotz Teilnahme am Straßenverkehr unter THC-Einfluss, nicht zu einer MPU-Anordnung führen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Carlos (Samstag, 26. Dezember 2020 16:42)

    Hallo zusammen,
    und wieso geht dann keine MPU. Darüber können die doch feststellen, ob ich regelmäßig oder gelegentliche kiffe. Da gibt es auch Drogenscreenings, die das zeigen.
    Viele Grüße
    Carlos

  • Rechtsanwältin Fischer (Samstag, 26. Dezember 2020 16:49)

    Guten Tag, Carlos,
    die gelegentliche Einnahme von Cannabis ist tatbestandliche Voraussetzung einer MPU. Ist die gelegentliche Einnahme nicht nachgewiesen, kann keine MPU angeordnet werden. Der Nachweis gelegentlichen Konsums ist nicht zulässiger Gegenstand einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. Es kommt in Fällen, in denen unklar ist, ob tatsächlich nur eine einmalige Einnahme vorlag, nur die Anordnung einer ärztlichen Untersuchung in Betracht.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Franziska (Montag, 28. Dezember 2020 10:31)

    Hallo,

    Nochmal eine Nachfrage:
    Ist es nicht so, dass thc, egal ob Aktives oder in Form der Abbauprodukte, im Blut eine wesentlich kürzere Nachweiszeit hat als im Urin?
    Im Internet findet man bzgl des Blutes eine Nachweisbarkeit (auch der Abbauprodukte) bis zu zwei Wochen oder "mehrere Wochen", wohingegen im Urin eine Nachweisbarkeit bis über 3 Monaten möglich ist , wie sie auch beschrieben haben.

    Da man sowieso nicht verpflichtet ist einen Urintest zu machen, kann man doch, sollten die Polizeibeamten darauf bestehen und richterlich anordnen, den Bluttest nach 4, spätestens aber wohl nach 8 Wochen ohne Folgeprobleme und Bedenken über sich ergehen lassen? Oder sehe ich das falsch?

    MfG
    Franziska

  • Rechtsanwältin Fischer (Mittwoch, 06. Januar 2021 15:33)

    Hallo und frohes neues Jahr,
    richtig ist, dass THC im Urin (deutlich) länger nachweisbar ist als im Blut. Das ist ein guter Grund bei einer Verkehrskontrolle einen Urintest abzulehnen (und auch jeden anderen Test, Drogenschnelltest, aber auch das Berühren der Nase bei geschlossenen Augen oder Laufen auf einer imaginären Linie usw. Das ist alles freiwillig). Zu der Nachweisbarkeit von THC-COOH im Blut gibt es viele verschiedene Angaben und auch Studienergebnisse. Ich habe noch nie von einer Nachweisbarkeit nach über 8 Wochen gehört. Ich rate in diesem Bereich aber gerne zu einem eigenen Test in einem Labor, sicher ist sicher. Die Folgen, wenn noch THC nachgewiesen werden kann und die Fahrerlaubnisbehörde erstmal aktiv geworden ist, kann man sich besser sparen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

  • Marcel (Freitag, 15. Januar 2021 17:47)

    Guten Abend,
    ich bin 2mal in 9 Tagen in eine Verkehrskontrolle gekommen und beide Male gabs eine Blutabnahme. So ein Griff ins Klo! Krieg ich jetzt noch eine MPU? Das Gericht hat ja eigentlich entschieden, dass bei erstmaligen Auffälligwerden mit Cannabis eine MPU kommt und nicht mehr die Fahrerlaubnisentziehung. Gilt das bei mir jetzt noch, weil ich konnte ja noch keine MPU machen.
    Grüße und Dank.
    Marcel

  • Rechtsanwältin Fischer (Freitag, 15. Januar 2021 18:02)

    Hallo Marcel,
    ich gehe mal davon aus, dass bei Ihnen THC im Blut festgestellt wurde und das bei beiden Kontrollen.
    Da zwischen den beiden Kontrollen neun Tage lagen, ist kein einmaliger Probierkonsum gegeben, sondern es ist Ihnen gelegentlicher Konsum nachgewiesen (=zweimaliger Konsum). Das neue Bundesverwaltungsgerichturteil geht tatsächlich davon aus, dass bei der ERSTEN Fahrt unter Cannabiseinfluss (auch bei Werten über dem Grenzwert) und gelegentlichem Konsum eine MPU einzuholen ist. Sie sind möglicherweise zweimal mit Werten über 1,0 ng/ml THC auffällig geworden. Da ist eine unmittelbare Entziehung der Fahrerlaubnis möglich. Gerichte haben schon entsprechend entschieden, so das Verwaltungsgericht Oldenburg im 2019, dort heißt es:
    "Die Fahrerlaubnis ist bei gelegentlichem Cannabis-Konsum und Fehlen des Trennungsvermögens zu entziehen, ohne zuvor weitere Aufklärungsmaßnahmen, etwa eine MPU, durchzuführen, jedenfalls wenn nicht nur ein Verstoß gegen das Trennungsgebot vorliegt."
    Wenn Ihre Werte anders sind als ich sie hier vermutet und zugrunde gelegt habe, müssen Sie sich bei mir melden. Vielleicht sind Ihre THC-Werte unter 1,0 ng/ml oder zumindest ein Wert bei einer der beiden Kontrollen. Das konnte ich Ihren Angaben so nicht entnehmen.
    Viele Grüße
    Simone Fischer

Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder
Bitte beachten Sie, dass die Inhalte dieses Formulars unverschlüsselt sind

Rechtsanwältin

Simone Fischer

Schwachhauser Heerstr. 30 A

28209 Bremen

fon: 0421-695 256 27

fax: 0421-695 256 28

office@rechtsanwaeltin-sfischer.de

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Rechtsanwältin